Jene erfolglose Belagerung von Stralsund hatte nun zur Folge, dass Wallenstein des Glaubens an seine Unbezwinglichkeit verlustig gieng und die Fürsten wieder aufathmeten. Bald zeigte es sich an jenem verhängnis- vollen Fürstentage zu Regensburg, aus welchem Beutel er gewirtschaftet hatte und wie ihm vergolten wurde. Zum Danke dafür, dass er ein treuer Fürstenknecht gewesen, wie er sich selbst(P. 1169; II. 7. 159) nennt, hatte er der Völker Fluch auf sich geladen, und der Krieg, welchen er die Fürsten hatte bezahlen lassen, um nur den Kaiser groß zu machen, wurde durch die Fürsten eine Klage wider ihn, er wurde diesen aufgeopfert und— abgesetzt. Da lebte ihm im ganzen Deutschland kein Freund mehr, weil er nur für seinen Kaiser gelebt hatte und alle Stände im Reiche beleidigt. An diesen allein hielt er sich bei jenem Sturme, der sich auf dem Regensburger Tag über seinem Haupte zusammenzog(P. 1153— 1174; II. 7. 145— 163. T. 553— 566; I. 7. 110— 124), doch er wurde fallen gelassen. Von jeder Seite hatte ihm die schwere Waffenarbeit, die undankbare, fluchbeladene, dass er mit unermüdet treuem Arme des Krieges Last gewälzt, nur Schimpf eingetragen(vgl. auch T. 1932— 1935; III. 15. 103— 105), und keinen anderen Vertheidigungsgrund für den Kaiser weiß später der vom Hofe ab- geschickte Questenberg anzugeben, als dass jenem auf dem unglücksvollen Reichstage“ die Freiheit gemangelt habe, obwohl er doch wusste, was Wallen- stein auch dagegen einwarf, dass dieser, sein Feldherr, hatte, was ihm Freiheit verschaffen konnte.(P. 1172— 1176; II. 7. 162— 166.)
So fiel Wallenstein plötzlich von der Höhe seiner Macht wieder ins Nichts zurück.
Die Zeit seiner Zurückgezogenheit brachte er auf seinen umfangreichen Gütern zu, indem er Gitschin zu seiner Residenz machte. Welches Leben er da äußerlich führte, deutet die Gräfin Terzky(T. 508— 513; I. 7. 65— 70) an. Scheinbar klug sich bescheidend, nichts wirklich mehr zu gelten und zu bedeuten, lebte Wallenstein wie ein König im kleinen, beschäftigte sich mit Jagen, Bauen, Gestüte halten, gründete sich einen Hofstaat, theilte goldene Schlüssel aust und gab gastfreie Tafeln. Dieses aber war nur seine glänzende Außenseite, welche er zur Schau trug, um sich die Seinen an- hänglich zu erhalten und zu verbergen, was in seinem Innern vorgieng. In Wirklichkeit machte Wallenstein eine tiefgreifende Veründerung durch. Früher war er noch der fröhlich Strebende, sein Ehrgeiz war ein mild erwärmend Feuer, noch nicht die Flamme, die verzehrend rast; der Kaiser hatte ihn geliebt und ihm vertraut, und mit Lust gedenkt noch in späterer Zeit seine Gemahlin jener ersten Tage ihrer Ehe.(T. 1396— 1401; III. 3. 33— 38.) Aber seit jenem Unglückstage zu Regensburg, der ihn von seiner Höhe hinunterstürzte, war ein unsteter und ungeselliger Geist,
1= Kammerherren ernennen.


