14 in der alles geschieht, die Gesetze sind aufgestellt, nach denen man urtheilt, der Strom des Interesses, der Leidenschaft findet sein Bett schon gegraben, in dem er herabrollen kann.-
Es ist wirklich eine ungeheure Welt von Ereignissen, Gedanken und Empfindungen, die sich alle auf den Helden beziehen, in den ⸗Piccolominis⸗, der Exposition des eigentlichen Dramas, welches Wallensteins Tod» ist, niedergelegt und in ein Gesammtbild vereinigt, die alle in ihrer Motivierung und Folge begriffen und erfasst werden müssen, um die Situation des Helden zu Beginn des Dramas und seinen Fall vollkommen beurtheilen zu können. Das würde zunächst eine vollständige Lösung des in den Piccolominis, geschlungenen Gewebes verlangen, aber auch des Gewebes der anderen beiden Theile des Dramas, da sich auch in diesen vieles, was zur Exposition gehört, findet, kurz, dem Dichter durch die ganze Anlage seines Dramas nach- zugehen, um zu finden, wie er sich den Charakter des Helden als einen werdenden vorgestellt hat bis zu seiner Höhe. Hiebei wird sich auch deutlicher zeigen, wie der Dichter in seinem Drama oft ganz anders und oft gründlicher motivierte, als in seiner Geschichte des dreißigjährigen Krieges“, und wie er es verstanden hat, das ganze Leben des Helden, fast vom Beginne an bis zum Ende, in der meisterhaftesten Weise nach den Gesetzen des Dramas zu formen.
Wallenstein war der Sohn eines schlichten Edelmannes(L. 450 3¹ 7. 73) und wurde am Hofe zu Burgau erzogen, gleichzeitig mit Gordon, der später als Commandant der Festung Eger eine Rolle spielt. Einmal im Fensterbogen eingeschlafen, fiel er zwei Stock hoch auf die Erde hinab, doch unbeschädigt stand er wieder auf; von dieser Zeit an aber war er tiefsinnig und wandte sich, umgekehrt durch das Wunder der Rettung, der katholischen Religion zu und hielt sich für ein begünstigtes Wesen. Schon als zwanzig- jähriger Jüngling zeigte er kühnen Muth, einen auf ernste Dinge gerichteten Sinn, und still in sich gekehrt, war er am liebsten sich selbst Gesellschaft. Oft ergriff es ihn wundersam, und der geheimnisvollen Brust entfuhr, sinnvoll und leuchtend, ein Gedankenstrahl, dass man nicht wusste, ob Wahnsinn oder ein Gott aus ihm gesprochen habe. ²(T. 2545— 2568; IV. 2. 101— 125, und T. 3543— 3549; V. 4. 28— 34.) So lag also die Neigung zu extremen
Nach der von den Schülern unserer Anstalt benützten Gräser'schen Schulausgabe classischer Werke. L.= Lager, P.= Piccolomini, T.= Wallensteins Tod.
²2 Die Soldaten aber erzählen sich von einem Stückchen Wallensteins, das er als Student, in Altdorf vollbracht, wobei er seinen hellen Verstand und seine Schlagfertigkeit erwies. Er soll es dort nämlich ein wenig locker und burschicos getrieben haben. Da er seinen Famulus bald erschlagen hätte, sollte er in einen eben neu gebauten Carcer gesperrt werden, der noch seinen Namen nach dem ersten Bewohner zu erhalten hatte. Wallenstein ließ aber weislich einen Pudel voranlaufen, und so wurde der Carcer nach dem Hunde benannt.(L. 456— 470;
7.79— 92.)


