13
Gewalt, der Gottheit, dem Geiste der sittlichen Weltordnung, welcher Schicksal und Leben regiert und auch dort, wo er ein menschliches Dasein zerbricht, in liebevollem Bündnis mit dem Menschengeschlechte handelt. Keine Unzufrie- denheit mit dem Schicksale des Helden greift Platz, sondern wir fühlen die Bestätigung einer Ahnung, oder lieber eines deutlichen Bewusstseins einer teleologischen Verknüpfung der Dinge, eines erhabenen, gütigen Willens. Dieser hohe Geist der sittlichen Weltordnung ist es, welcher Wallensteins Schicksal trägt und dessen verletzte Treue und verderbliches Streben dadurch rächt, dass er ihn der Nemesis überantwortet.
I.
Schillers Wallenstein ist kein einheitlicher Charakter im besonderen, sondern nur im allgemeinen. Sein Charakter hat sich im Laufe des Lebens zu verschiedenen Gestalten herausgearbeitet, hat verschiedene Phasen durch- gemacht, welche der Dichter aber nicht der Reihe nach vorüberziehen ließ, wie es etwa Shakespeare gemacht hätte; er stellte den Helden nicht in auf- und absteigender Linie dar, sondern er führte ihn uns gleich als vollendeten Charakter vor, zeigte ihn uns gleich auf dem Höhepunkte seiner Macht und seines Ruhmes mit Aufwand aller dramatischen Kraft, und um die Entwicklung und Durchbildung seines Charakters zu kennzeichnen und seinen Lebenslauf bis zur Größe zu Beginn des Dramas, ¹ schuf er Bilder, Situationen, Berichte, Episoden, die durch nichts als durch den zu entwickelnden Charakter und den anderen beabsichtigten Zweck zusammengehalten werden. Dies ist die Ursache der großen Ausdehnung des Dramas, trotzdem es sich der Zeit nach nur über vier Tage erstreckt. Schillers dramatisches Ideal war aber damals;: Vereinigung der modernen Charakteristik mit der antiken Sehönheit und Verdichtung des Stoffes zu einer tragischen Fabel.
Eine Verdichtung aber eines so gewaltigen Lebenslaufes in ein einziges Bild konnte nicht ohne Eintrag für das Drama sein. So schreibt Goethe an Schiller(9. März 1799): ⸗Wenn sich der Zuschauer bei den ‚Piccolominise aus einem gewissen hie und da willkürlich scheinenden Gewebe nicht gleich herausfinden, mit sich und anderen nicht völlig eins werden kann, so gehen diese neuen Acte(von Wallensteins Tod) nun schon gleichsam als naturnothwendig vor sich hin. Die Welt ist gegeben,
Nicht eine eigentliche Trilogie, da die Trennung in drei Stücke sich zufällig ergeben hat und auf keine inneren Gründe beruht.
²2 In Wirklichkeit vom 12. Jänner(erster Pilsener Schluss) bis zum 26. Februar 1634 (Wallensteins Ermordung). Der zweite Pilsener Schluss wird in der Dichtung überhaupt nicht berücksichtigt.


