Aufsatz 
Schillers Wallenstein als tragischer Charakter
Entstehung
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10 Schiller trotz der vielen und großen Fehler bewunderungswert und theuer geworden; aus seinen Thaten schimmerte ihm doch noch das Vorhandensein einer besseren Seele durch, was ihm sogar beim Bewusstsein der entstellenden Quellen nahezu UÜberzeugung wurde. Der Schluss lautet nämlich:So endigte Wallenstein in einem Alter von fünfzig Jahren sein thatenrciches und außer- ordentliches Leben; durch Ehrgeiz emporgehoben, durch Ehrsucht gestürzt, bei allen seinen Mängeln noch groß und bewunderungswert, unübertrefflich, wenn er Maß gehalten hätte. Die Tugenden des Herrschers und Helden, Klugheit, Gerechtigkeit, Festigkeit und Muth, ragen in seinem Charakter kolossalisch hervor; aber ihm fehlten die sanfteren Tugenden des Menschen, die den Helden zieren und dem Herrscher Liebe erwerben. Furcht war der Talisman, durch den er wirkte; ausschweifend im Strafen wie im Belohnen, wusste er den Eifer seiner Untergebenen in immerwährender Spannung zu erhalten, und gehorcht zu sein wie er, konnte kein Feld-

herr in mittleren und neueren Zeiten sich rühmen.... Stets war sein Blick auf das Ganze gerichtet, und bei allem Scheine der Willkür verlor er doch nie den Grundsatz der Zweckmäßigkeit aus den Augen.... Seine Frei-

gebigkeit wurde durch unermessliche Einkünfte unterstützt, welche jährlich auf drei Millionen geschätzt wurden, die ungeheuren Summen nicht gerechnet, die er unter dem Namen von Brandschatzungen zu erpressen wusste. Sein freier Sinn und heller Verstand erhob ihn über die Religionsvorurtheile seines Jahrhundertes, und die Jesuiten vergaben es ihm nie, dass er ihr System durchschaute und in dem Papste nichts als einen römischen Bischof sah.... Denn endlich muss man zur Steuer der Gerechtigkeit gestehen, dass es nicht ganz treue Federn sind, die uns die Geschichte dieses außerordentlichen Mannes überliefert haben; dass die Verrätherei des Herzogs und sein Entwurf auf die böhmische Krone sich auf keine streng bewiesene Thatsache, bloß auf wahrscheinliche Vermuthungen gründen. Noch hat sich das Document nicht gefunden, das uns die geheimen Triebfedern seines Handelns mit historischer Zuverlässigkeit aufdeckte, und unter seinen öffentlichen, allgemein beglaubigten Thaten ist keine, die nicht endlich aus einer unschuldigen Quelle könnte geflossen sein. Viele seiner getadeltsten Schritte beweisen bloß seine ernstliche Neigung zum Frieden; die meisten anderen erklärt und entschuldigt das gerechte Misstrauen gegen den Kaiser und das verzeihliche Streben, seine Wichtigkeit zu behaupten. Zwar zeugt sein Betragen gegen den Kurfürsten von Bayern von einer unedlen Rachsucht und einem unversöhnlichen Geiste; aber keine seiner Thaten berechtigt uns, ihn der Verrätherei überwiesen zu halten. Wenn endlich Noth und Verzweiflung ihn antrieben, das Urtheil wirklich zu ver- dienen, das gegen den Unschuldigen gefällt war, so kann dieses dem Urtheil selbst nicht zur Rechtfertigung gereichen. So fiel Wallenstein, nicht weil er Rebell war, sondern er rebellierte, weil er fiel. Ein