Aufsatz 
Schillers Wallenstein als tragischer Charakter
Entstehung
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Zu wiederholtenmalen spricht Schiller selbst in Briefen aus, dass Wallenstein fast alles besitze, was ihn von einer dramatischen Darstellung ausschließen möchte; denn abgesechen davon, dass sein Fall nur eine dürre Staatsaction sei, dem ein unsichtbares, abstractes Object(das Heer) zugrunde liege, das der Dichter nicht vor die Augen, sondern mit unsäglicher Mühe bloß vor die Phantasie bringen könne, abgesehen von den vielen kleinlichen Mitteln, den zerstreuten Handlungen, welche der Stoff an die Hand gebe, so liege die Ursache doch hauptsächlich im Charakter des Helden selbst; seine Leidenschaften, Ehrgeiz und Rachbegierde, seien von der kältesten Art, ohne aber mit entschlossener, rascher Kühnheit gepaart zu sein, vielmehr seien seine Schritte furchtsam, und sein Aberglaube mache ihn fast blind und unbehilflich. In den Momenten, in welchen er wieder als klar denkender und klug berechnender Egoist erscheint, zeige sich eine zu kalte und zu trockene Zweckmäßigkeit, und schließlich misslinge sein Plan durch Un geschicklichkeit. Niemals erscheine er edel, nie eigentlich groß, sondern nur furchtbar. Im Prologe zum Drama nennt der Dichter des Helden That ein Unternehmen kühnen UÜbermuthes und bezeichnet ihn selbst, den Schöpfer kühner Heere, des Lagers Abgott, der Länder Geißel, die Stütze und den Schrecken des Kaisers», als einen verwegenen Charakter, als einen abenteuer- lichen Sohn des Glückes, der, von der Zeiten Gunst emporgetragen, ungesättigt immer weiter strebend, endlich als ein Opfer der unbezähmten Ehrsucht fiel, aber, setzt der Dichter hinzu(103 110):

*Von der Parteien Gunst und Iass verwirrt, Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte, Doch euren Augen soll ihn jetzt die Kunst,

Auch eurem Herzen, menschlich näher bringen. Denn jedes Kußerste führt sie, die alles

Begrenzt und bindet, zur Natur zurück,

Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang

Und wälzt die größre Hälfte seiner Schuld Den unglückseligen Gestirnen zu.-

Diese Worte, welche neben der eigenen Kritik seiner Quellen auch einen Fingerzeig geben, in welcher Weise der Dichter den gegebenen Cha- rakter umwandeln musste, um ihn zu einem tragischen zu machen, entsprechen aber auch sogar denjenigen Worten in gewisser Weise, mit welchen er den Bericht über Wallensteins Leben in seiner eGeschichte des dreißigjährigen Krieges» abschließt. Trotzdem jener Bericht ganz im Sinne der Gegner dieses seltenen Mannes ausfiel, lusst er doch eine derartig gemilderte Beurtheilung desselben folgen, wie sie nicht erwartet werden konnte. Wallenstein war eben

1 Vgl. Brief an Körner vom 22. November 1796. * Das ist den Sternen und dem Schicksale überhaupt.