denen er Gutes gethan, verrathen von allen, auf die er baute, stand er da. Aber solche Lagen sind es, die den großen Charakter erproben. In allen seinen Erwartungen hintergangen, entsagte er keinem einzigen seiner Ent- würfe; nichts gab er verloren, weil er sich selbst noch übrig blieb.
Das war es hauptsächlich, was den Dichter so anzog und ihn zum Helden einer Tragödie würdig zu machen schien, dazu die furchtbare Freilieit, welche in dessen Hände gelegt war, die Kühnheit, mit welcher er sie miss- brauchte, und der erschütternde Ausgang seines Unternehmens.
Wallensteins Einzug in Eger, nur vom Regimente Terzky’s begleitet und wenigen anderen Getreuen, die Verbindung mit dem Herzog von Weimar und den Schweden zu erleichtern, welche in der höchsten Noth Hilfe zugesagt hatten, und neue Unterhandlungen mit denselben, das Herz von neuen Hoff- nungen erfüllt und die Sterne eifrig befragend, waren seine letzten Thaten. Unter seinen Augen wurde der Dolch geschliffen, der seinem Leben ein jähes Ende machte. Der kaiserliche Urtheilsspruch, der ihn für vogelfrei erklärte, hatte seine Wirkung nicht verfehlt, und die rächende Nemesis wollte, dass der Undankbare unter den Streichen des Undankes erliegen sollte, oder wie es an einer anderen Stelle heißt: ⸗-Im Begriff, ein nie erlebtes Beispiel des Undankes gegen den Schöpfer seines Glückes aufzustellen, baute er seine ganze Wohlfahrt auf die Dankbarkeit, die man an ihm beweisen solltes, und dies wurde sein Untergang.
Schiller benützte eben die Darstellungen der Gegner Wallensteins als Quellen und kam daher zu der einseitigen Auffassung desselben als Ungeheuer von Undankbarkeit. Aus den damals schon vorhandenen Quellen hätte er allerdings ein getreueres Bild dieses Mannes gewinnen können.
Ein solcher Charakter ist nicht für eine Tragödie geschaffen, denn der endliche Untergang eines solchen ehrgeizigen Bösewichtes, der kein Mittel scheute, seine verbrecherischen Pläne in Ausführung zu bringen, hätte nicht unser Mitleid wachgerufen, vielmehr in uns ein gewisses Gefühl der Genug- thuung, weil einen solchen Verbrecher die rächende Gerechtigkeit ereilte; und nur jenes Mitleid hätten wir ihm gezollt, welches Aristoteles Philanthropie nennt, das uns jedesmal befällt, wenn wir der Vernichtung eines menschlichen Lebens zusehen. Die Absetzung Wallensteins, die dieser sich im letzten Grunde selbst durch Verbrechen verschuldete, hätte seine auflodernde Rach- sucht keineswegs entschuldigt und gereinigt. ¹
1 Die Idee eines Dramas mit einem nach der Geschichte des dreißigjährigen Krieges» charakterisierten Helden wäre also folgende geworden: Ein überaus ehrgeiziger und rach- süchtiger Feldherr sucht das Heer zum Abfalle von seinem Kriegsherrn zu verleiten, um diesen aus seinem Reiche zu vertreiben und sich selbst mit Hilfe der Feinde eine Königskrone auf das Haupt zu setzen, wird aber von der Mehrzahl seiner Officiere und Soldaten verlassen und getödtet.


