Aufsatz 
Schillers Wallenstein als tragischer Charakter
Entstehung
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Erinnerung, was er durch den Kaiser geworden war; nur was er für diesen gethan, stand mit glühenden Zügen in seinem Gedächtnisse eingeschrieben. Seinem unersättlichen Durste nach Größe und Macht war der Undank des Kaisers willkommen, der seinen Schuldbrief zu zerreißen und ihn jeder Pflicht gegen den Urheber seines Glückes zu entbinden schien. Entsündigt und gerechtfertigt erschienen ihm jetzt die Entwürfe seiner Ehrsucht im Gewande einer rechtmäßigen Wiedervergeltung; seine jetzt unbegrenzten Ent- würfe hätten in jedem anderen Kopfe nur der Wahnsinn erzeugen können. Der an ihm verübte Raub machte ihn selbst zum Räuber. Wäre er durch keine Beleidigung gereizt geworden, so hätte er folgsam seine Bahn um die Majestät des Thrones beschrieben, zufrieden mit dem Ruhme, der glänzendste seiner Trabanten zu sein; erst nachdem man ihn gewaltsam aus seinem Kreise stieß, verwirrte er das System, dem er angehörte, und stürzte sich zermalmend auf seine Sonne.

Dem unaufhaltsamen Vordringen der Schweden und Sachsen, der schrecklichen Noth, in die der Kaiser von neuem gerieth, sah er mit ver- stellter Gelassenheit zu und begann seine Unterhandlungen mit dem Schweden- könige Gustav Adolf, welcher ihm 15.000 Mann geben sollte, um dann mit diesen und den von ihm selbst geworbenen Truppen Böhmen und Mähren zu erobern, bis nach Wien vorzudringen und den Kaiser bis nach Italien zu verjagen. Der König aber misstraute seinen Versprechungen und hätte sich auch nicht dazu verstanden, solchen Verrath mit einer Königskrone zu be- zahlen, denn des Herzogs Pläne waren offen auf den böhmischen Königs- thron ausgegangen. Dafür aber gelang diesem die schnelle Eroberung Böhmens durch die Sachsen, indem wahrscheinlich bei einer Zusammenkunft mit dem sächsischen General Kaunitz das Siegel auf die Verschwörung gedrückt worden war. Des Kaisers Noth stieg aufs höchste, sein Stolz beugte sich, denn kein anderer war da, der sie lindern konnte, als Wallenstein. Er selbst bat und drängte diesen, ebenso dessen vertraute Freunde, wieder eine Armee zu schaffen, aber der schlaue Wallenstein, der schon den Gedanken der Empörung gefasst hatte und im Herzen frohlockte, dass die Zeit der Rache gekommen war, die Gelegenheit, die erlittene Kränkung dem Kaiser mit vollen Zinsen zu erstatten, zögerte absichtlich lange. Endlich aber gab er nach, und noch ehe der dritte Monat verstrichen war, schuf er das Heer von 40.000 Mann, worauf er selbst von seinem Vermögen 200.000 Thaler aufwandte. Da machte die Religion keinen Unterschied; Tapferkeit und Erfahrung galten mehr als der Glaube. Durch das Schreckmittel seines Rück- trittes zwang er nun den Kaiser zu Bedingungen, die alles enthielten, was zur Förderung seiner geplanten Empörung nothwendig schien. Einen solchen Vertrag, der seinem Oberherrn abgetrotzt und auf ein Verbrechen gegründet war, hielt er für giltig; er glaubte den Kaiser durch eine Vorschrift ge-

bunden, die denjenigen, der so vermessen war, sie zu geben, 1*