Aufsatz 
Schillers Wallenstein als tragischer Charakter
Entstehung
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Gewaltthätigkeiten, die er sich zuschulden kommen ließ, und je schreiender sie waren, desto ungestrafter konnte er sie verüben. Ganz Deutschland wurde ein Proviantmagazin für sein Heer, während der Kaiser gar nicht beschwert wurde; Freund und Feind litten gleichmäßig darunter. Die Officiere waren ein von ihm selbst geschaffener königlicher Staat, die er, wie seine Soldaten, durch unmäßige Verschwendung an sich fesselte, und Brandschatzungen aller Art mussten ihm die Summen dazu verschaffen. Je mehr die Länder welkten, durch die er zog, desto größer wurde der Zulauf zu seinem Heere. Der Fluch der Provinzen und das Klagegeschrei der Fürsten kümmerten ihn nicht; das Verbrechen setzte ihn in den Stand, die Folgen desselben zu ver- lachen. Sein Heer aber betete ihn an. Wallensteins überlegter Grund- satz war, die deutschen Reichsfürsten sichtbar zu erniedrigen, alle Stufen und Ordnungen zwischen diesen Fürsten und dem Reichsoberhaupte zu zerbrechen und das Ansehen des letzteren über alle Vergleiche zu erheben. Sein Ober- herr sollte in ganz Deutschland keinen Menschen zu fürchten haben als ihn allein, dem er diese Macht verdankte.

Daran knüpft Schiller die Auseinandersetzung seines Verhältnisses zu Tilly, seine Siege über Mansfeld, seine Erhebung zum Herzog von Friedland und die Eroberung von Stralsund, die er, sich Generalissimus zu Wasser und zu Lande nennend, trotz der Neutralität und der Privilegien dieser Stadt versuchte, von der er aber, da er nur durch prahlerische Drohungen den Mangel gründlicher Belagerungsmittel ersetzte, schließlich unverrichteter Dinge wieder abstehen musste, was den Glauben an seine Unbesiegbarkeit gewaltig erschütterte und den deutschen Reichsfürsten wieder Muth und, begünstigt durch mancherlei andere Umstände, Macht verlieh, die Absetzung des Feldherrn durch den schwachen Kaiser Ferdinand in der Kurfürsten- versammlung zu Regensburg durchzuscetzen.

Wallensteins grenzenloser Ehrgeiz, unbeugsamer Stolz und gebieterischer Geist ließen es nicht zu, diese Kränkung ungerochen zu lassen. Von der Zukunft erhoffte er Genugthuung, und in dieser Hoffnung bestärkte ihn Seni, ein italienischer Astrologe, der diesen ungebändigten Geist gleich einem Knaben am Güngelbande führte. Im königlichen Pompe, im Gepränge eines schimmernden Theaterhelden lebte er nun in der Zurück- gezogenheit auf seinen Gütern. Sein immer arbeitender Kopf brauchte und befahl Stille rings um ihn. Seine Worte sparte er mehr als seine Geschenke, und was er sprach, kam in einem widrigen Tone heraus. Er lachte niemals, und den Verführungen der Sinne widerstand die Kälte seines Blutes. Dazu entsagte er allen leeren Zerstreuungen. Einen durch ganz Europa aus- gebreiteten Briefwechsel besorgte er selbst, um der Verschwiegenheit anderer so wenig als möglich anzuvertrauen. Während seine fröhliche Außenseite Ruhe und Mäßigung zeigte, brütete er still die schreckliche Geburt der Rache und Ehrbegierde zur Reife. Erloschen war alles in seiner