Aufsatz 
Schillers Wallenstein als tragischer Charakter
Entstehung
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Schillers Wallenstein als tragischer Charakter.

Von

Dr. Franz Riedl.

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FEinleitung.

Das Drama ⸗Wallenstein,⸗ ist sowohl seiner Anlage nach, als ins- besondere nach der Charakterzeichnung des Helden eines der compliciertesten der überhaupt bestehenden Dramen. Diese Einleitung soll aber einen leichten und passenden UÜbergang von dem in der Geschichte des dreißigjährigen Krieges» gegebenen Wallenstein zum Drama gewähren; denn dort hat ja Schiller die Geschichte Wallensteins mehr mit dem Griffel eines Dramatikers als Historikers geschrieben. Natürlich soll hier nur insoweit auf den Wallen- stein der Geschichte des dreißigjährigen Krieges» eingegangen werden, als auf das mehrere Jahre später gedichtete Drama Bezug hat, mit möglichst genauem Anschlusse aber an Schillers Darstellung, wo es thunlich und passend ist.

Nach einer Einleitung von wenigen Zeilen, welche die rühmlichen Feld- züge Wallensteins gegen die Türken, Venetianer, Böhmen, Ungarn, Sieben- bürgen, seine Theilnahme an der Prager Schlacht als Oberst, seinen Sieg über eine ungarische Armee in Mähren als Generalmajor und die Dank- barkeit des Kaisers, die dem hochverdienten Officier die nach dem böhmischen Aufruhr confiscierten Güter zutheilte, erwůhnt, erzählt Schiller, wie Wallen- stein seinem Kaiser jenes große Heer schuf, das ihn selbst zur mächtigsten Berühmtheit machte, aber auch die Ursache seines Falles wurde. Denn es war eine Verbrecherlaufbahn, die Wallenstein im Besitze dieser ihm vom Kaiser anvertrauten Heeresmacht und eines unermesslichen Vermögens betrat. Schon damals zeigte er sich von ehrgeizigen Entwürfen er- hitzt, voll Zuversicht auf seine Sterne und noch mehr auf eine

gründliche Berechnung der Zeitumstände. Schrecklich waren die 1