Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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die theils wörtlich angeführt, theils nur im Allgemeinen auf den Inhalt derſelben Bezug nehmend erwähnt werden, eine Reihe von Briefen der Aebte und Mönche des Kloſters Fulda mit. Die⸗ ſelben beginnen, ſoweit ſie beſtimmbar ſind, mit dem Jahre 818, alſo noch unter Eigil und werden namentlich zurückgeführt auf die Aebte Hraban, Hatto, Theoto, Sigehard und auf den Mönch Rudolf(k 865), fallen alſo ſämmtlich unter die Regierung Ludwigs des Frommen und Ludwigs des Deutſchen. Es ſind die Concepte von Briefen, die von den Vorſtänden des Kloſters und ſonſtigen hervorragenden Perſönlichkeiten mit dem Könige, der Kö⸗ nigin, den königlichen Kanzleibeamten, Biſchöfen und andern bedeu⸗ tenden Perſönlichkeiten damaliger Zeit geführt wurden, deren Ent⸗ ſtehungs⸗ und Aufbewahrungsort um deswillen auf Fulda ſchließen läßt, weil eine ſolche Sammlung mit den verſchiedenſten Adreſſaten wol ſchwerlich anderswo zuſammenzubringen war als an dem Orte, von dem die Briefe abgeſandt wurden. Es iſt leicht erklärlich, daß der Verluſt dieſer Briefe ſchwer zu beklagen iſt, wo gerade ſolche Quellen, welche uns einen Einblick in das geſammte geiſtige Leben jener Zeit thun ließen, ohnehin ſpärlich genug fließen, oder richtiger geſagt, uns faſt ganz abgehen. Auch hier müſſen wir wiederholt den Verdacht ausſprechen, daß jener Flacius es war, welcher dieſe Briefe aus dem Kloſter mitnahm, da er in einem Briefe an Gallus vom October 1561) ſagt, daß er im Jahre 1561zum Nutzen der Kirchengeſchichte mit ungemeiner Mühe den Mönchen zu Fulda einige bisher nicht herausgegebene Codices abgerungen habe. Da ſich die Auszüge aus den Fuldaer Briefen vorzugsweiſe in der IX. Centurie befinden, dieſelbe aber 1565 erſchien, ſo fälltdas Abringen in die Zeit ſeines erſten Aufenthalts im Kloſter Fulda(1561), wohin dann das bereits oben erwähnteleihweiſe Mitnehmen der älteren Chartularien ebenſo gut wie in die Zeit ſeines zweiten Aufenthaltes in Fulda fallen könnte. Brower, der Ende des 16. Jahrhunderts in Fulda lebte und 1602 zu Antwerpen ſeine libri quatuor fuldensium antiqui- tatum veröffentlichte, erwähnt ſchon der Briefe nicht mehr. Dümmler hat aus der 8., 9. und 10. Centurie, die 1564 bis 1576 zu Baſel er⸗ ſchienen, die Bruchſtücke aus jenen Briefen zuſammengeſtellt und mit Er⸗ läuterungen mitgetheilt. Gerade dieſe erhaltenen Inhaltsangaben laſſen uns um ſo mehr das Vermißte beklagen, indem darin ſicher eine Fülle neuer Aufklärungen nicht bloß über die glänzendſte Periode Fulda's, ſondern auch über die Geſchichte Deutſchlands, insbeſondere in cultur⸗ hiſtoriſcher Beziehung für uns daraus ſich ergeben hätte. Manches

¹) Dümmler Forſch. V. 372.