Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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Buchonia vetus aufgenommen. Es iſt wahr, Schannat hat große und unläugbare Verdienſte nicht bloß um die Geſchichte Fulda's, ſondern damit auch um die deutſche Geſchichte; allein die Art und Weiſe, wie er die Quellen behandelte, verdienen in jeder Hinſicht den Vorwurf der Ungenauigkeit, Unzuverläſſigkeit und der Willkür. Er läßt ganze Stellen aus den Urkunden weg, ja ganze Urkunden ſelbſt unterdrückt er, er macht aus verſchiedenen Urkunden eine, er ändert Zahlen und Namen, ohne dasſelbe nur zu erwähnen; ja ſelbſt die offenbar in vielen Urkunden vorhandenen Irrthümer durften nicht ſtillſchweigend verbeſſert werden, ſondern es mußte von jeglicher Aenderung Rechenſchaft gegeben werden.

Burkard Gotthelf Struwe veranſtaltete eine neue Aus⸗ gabe des Piſtorius in ſeinen Scriptores rerum Germanicarum, Ra- tisbonae 1726, und richtete ſich, wo er von der erſten Ausgabe im Texte abwich, nach dem von Schannat. Was aber Kreyßig und Schöttgen in ihren diplomataria et seriptores historie Germanice medii ævi tom. I, Altenburg 1753 geliefert haben, iſt nichts anders als Abdrücke aus dem codex Eberhardi, welchen ſie in einer ſchlechten Papierhandſchrift vor ſich hatten und dienen, wenn auch mit großer Vorſicht zu benutzen, nur dazu, uns darauf aufmerkſam zu machen, was Schannat in dem Codex Eberhard's eiwa übergangen hatte. Dieſe Umſtände rechtfertigten nicht bloß ſondern machten es geradezu zu einem hiſtoriſchen Bedürfniſſe die Urkunden des Kloſters Fulda in einer neuen, correcten und getreuen Ausgabe abgedruckt zu erhal⸗ ten. Demſelben entſprechen denn die Werke Dronke's: traditiones et antiquitates fuldenses und codex diplomaticus fuldensis; nach welchen Grundſätzen er dabei verfuhr, welche Handſchriften er be⸗ nutzte, darüber gibt er genau in der Vorrede ſowie in den unter dem Texte befindlichen Bemerkungen zu den einzelnen Nummern des Ur⸗ kundenbuches allzeit Rechenſchaft. ³)

Zu den abhanden gekommenen Quellen der Geſchichte des Kloſters Fulda haben wir ſchließlich auch noch einer Sammlung von Briefen zu erwähnen, auf welche zunächſt dümmler in den Forſchungen zur Deutſchen Geſchichte, Band V. 371, wiederum aufmerkſam gemacht hat. In dem bereits oben erwähnten Werke der Magdeburger Centuriatoren theilt derſelbe Flacius Auszüge,

¹) Neue jenaiſche allgemeine Literaturzeitung, Leipzig 1846, Nr. 175. Allgemeine Literaturzeitung, Halle 1845, Nr. 226; Gelehrte Anzeigen der bayeriſchen Akademie 1849; Nr. 136 140, desgleichen 1845 Nr. 21 u. 22 und Sickel, in den Abhandlungen der Wiener Academie in den Bänden 36, 37, 39 u. 47. Roth in München bernußt an Dronkeden zünftigen Archivar.