Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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Flacius die Codicille mitgenommen hat; zumal er auch noch ein⸗ mal im Frühjahre 1573 in Fulda war, wo eine vom Abte an⸗ geordnete, vorzugsweiſe von dem heſſiſchen Erbmarſchall von Riedeſel gewünſchte Unterredung mit einigen Jeſuiten in Fulda ſtattfinden ſollte. Es kam jedoch zu keinen förmlichen Verhandlun⸗ gen, nur während der Mahlzeit wurden einige flüchtige Bemerkungen gemacht und man beſchloß, den Streit ſchriftlich auszukämpfen. Da der Erbmarſchall von Riedeſel zu den Protectoren Flacius' gehörte, ſo würden wir damit auch die Perſon des Ritters haben, der ſich ſeiner bei dem Abte annahm, und der auch ſpäter bei der Stadt Frank⸗ furt, als ihn dieſe wegen ſeines unfriedfertigen Treibens ¹) ausweiſen wollte, ſeine Fürſprache für ihn erhob. Außer dieſen Codices tradi- tionum vermiſſen wir aber auch noch andere Manuſcripte aus der Fuldaer Bibliothek, namentlich eine ſehr werthvolle Brieffamm⸗ lung, die aller Wahrſcheinlichkeit nach auch durch Flacius ab⸗ handen kam, von der wir gleich weiter unten ſprechen werden. Wir wiſſen ferner von dieſem Flacius, daß er ſchon bei ſeinen Lebzeiten manche der Handſchriften wieder verkauft hatte und daß der Reſt von 175 Handſchriften von ſeiner Witwe(1597), Stück für Stück um 1 ½ Thlr., an den Herzog Heinrich Julius von Braunſchweig verkauft wurde, in Folge deſſen ſie zuerſt nach Helmſtedt und dann nach Wolfenbüttel kamen. ²).

Wo die Codicille der Schenkungen, welche Piſtorius in der Bibliothek des Grafen Johann Georg von Zollern, der in Hechingen ſeinen Sitz hatte, ſpäter hingekommen ſind, darüber ſind wir bis jetzt ohne weitere Nachricht; die deshalb angeſtellten Nachforſchungen ³) in Hechingen, Stuttgardt, Karlsruhe, Freiburg und Raſtatt ſind erfolglos geblieben und es wäre dadurch die Nachricht, daß dieſe Handſchriften bei einer Feuersbrunſt des Stammſchloſſes Zollern im 17. Jahrhunderte zu Grunde gegangen ſeien, nicht un⸗ wahrſcheinlich, obgleich deren Wiederauffindung nicht gerade zu den Unmöglichkeiten zu rechnen iſt, ſo lange keine beſtimmte, zuverläſſige Nachricht über deren Untergang beigebracht wird.

Die von Piſtorius herausgegebenen Traditionen enthalten auch noch einen dritten Band, welcher Schenkungen aus verſchiedenen Gauen umfaßt, die faſt alle dem 12. Jahrhunderte angehören; wir finden ſie nicht in den Summarien von Eberhard, derſelbe theilt überhaupt nur 10 Nummern dieſes Buches mit; dieſelben liegen

¹) Von Flacius ſoll der NameFläz, als Veheſchmans eines groben und ungeſitteten Menſchen, kommen.

²) Forſchungen z. D. G. V, 372.

³) Gelehrte Anzeigen der Münchener Academie 1849. Nr. 136.