Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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Gauen erhielt. Von den 7 andern, abhanden gekommenen Bänden iſt uns der Inhalt zweier erhalten: ſie umfaſſen die Schenkungen in 161 Urkunden, aus dem Salgau, Weringau, Aſchfeld und Sinngau einerſeits und andererſeits 249 Schenkungen aus den Gauen Grabfeld und Tullifeld in den Zeiten vor und nach Hraban und hören mit Hadamar auf. Dieſe beiden Bücher, welche Piſtorius mit einem dritten Buche in einem Manuſcripte auf der Bibliothek zu Hechingen auffand, ſind nach der Mitte des 16. Jahrhunderts aus der damals noch reichen Bibliothek, des Klo⸗ ſters durch einen der Reformation angehörigen Hiſtoriker ¹) entwendet und ſodann in die Bibliothek einesgroßen deutſchen Grafen ge⸗ kommen. So erzählt uns nämlich Piſtorius ²), welcher dieſe beiden Codicille in ſeinem Werke scriptores rerum Germanicarum zu Frankfurt a. M. 1607 herausgab. Nehmen wir nun die Angabe des Piſtorius in der Vorrede zu ſeinem Werke, wonach die Entwen⸗ dung der Manuſcripte aus dem Kloſter Fulda vorfünfzig Jahren ſtattgefunden haben ſoll, nicht ganz wörtlich, ſo würden wir, da die Vorrede am 1. Auguſt 1607 geſchrieben iſt, dies auf die Zeit des Abts Theodorich von Euſigkeim(1550 1558) beziehen kön⸗ nen und wir hätten dann allerdings in den Ereigniſſen unter der Regierung dieſes Abtes einen Anhalt, der das Abhandenkommen der Manuſcripte wahrſcheinlich macht. In das Jahr 1552 fällt nämlich der Ueberfall Chriſtians von Oldenburg mit 11000 Mann Kriegsvolk in den Stift Fulda. Schon nach Geiſa hatte der Abt eine Geſandtſchaft dem Grafen entgegengeſchickt, um den Einbruch in ſein Land abzuwehren, allein die Geſandten waren unverrichteter Sache zurückgekehrt. Der Graf rückte in Fulda ein. Der Abt ſuchte dieſen unwillkommenen Gaſt bei guter Laune zu erhalten und ſandte ihm des Abends gleich nach ſeinem Einmarſcheein Faß Wein, einen Karren von Haber ſammt einer großen Stütze voll guter Forellen und Hechte; allein das half wenig; der Graf ſtellte im Namen des Herzogs Moritz von Sachſen die Aufforderung, ihm 20,000 Thaler vorzuſtrecken und alles Geſchütz nebſt Munition aus⸗ zuliefern; ferner verlangte er die Wiedereinſetzung der Herren von Riedeſel in Stadt und Amt Lauterbach. Die Verhandlungen über dieſe Forderungen zogen ſich in die Länge, der Abt wurde als Gefangener in ſeinem Schloße bewacht, es wurden alle öffentliche Gebäude beſetzt und daſelbſt Kiſten und Kaſten durchſucht. Bei dieſer

¹) Ab haeretico praedicante historico.

²) Pistorius geb. 1546 zu Nidda ſtarb als Domherr 1608 zu Freiburg

im Breisgau. Der Spezialtitel lautet: Germanicarum antiquitatum thesaurus vel traditionum fuldensium libri tres. 7