Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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dings dem Umſtande, daß er zweimal hintereinander ganz dieſelbe Urkunde einträgt und ſonſtiger Irrthümer ſich vielfach ſchuldig macht, eine gewiſſe mechaniſche, gedankenloſe Abſchreiberei nicht gerade ver⸗ kennen kann.

Von den acht, damals noch vorhandenen Chartularien iſt ge⸗ genwärtig nur noch eines in hieſigem Landesarchive, es enthält die Schenkungen aus dem Worms⸗, dem Rhein⸗ und dem Nahe⸗ gau, ſowie dem Elſaß, wozu dann noch einige Schenkungen aus dem Grabfeld ſpäter nachgetragen ſind. Dieſe erſten Schenkungen fallen in die Zeit der 4 erſten Aebte, ſind von einer Hand geſchrie⸗ ben und die Schriftzüge tragen den Charakter des angelſächſiſchen Ductus). Die Frage, in welcher Zeit dieſer, ſowie die 7 andern codices geſchrieben worden ſeien, hat man dahin beantwortet, daß Hraban dieſe Chartularien habe anlegen laſſen; dagegen hat man eingewandt, daß die Anlegung derſelben einer noch früheren Zeit ange⸗ hören?), denn die Zuſammenſtellung und Sammlung dieſer Urkunden wäre die notwendige Folge des Capitulars Karls des Großen vom Jahre 805 geweſen, durch welches in allen Klöſtern und Bisthümern ange⸗ ordnet wurde, Notare zu halten und damit wäre auch die Anle⸗ gung eines Chartularsbedingt; man könnte wol richtiger ſagen, wahrſcheinlich, denn ſo abſolut folgt das erſtlich nicht daraus und zweitens hatte bereits das Kloſter Fulda, ehe Karl der Große dieſen Befehl erließ, ſeine cancellarii, die als Notare Dienſte leiſte⸗ ten, ſo daß man noch viel weiter zurück die Anlegung der Sammel⸗ werke datiren könnte, ohne ſie mit dem Capitulare Karls in Zu⸗ ſammenhang bringen zu müſſen: denn wir finden ſchon 780 einen Odalricus presbiter in vice Enuzes subscriptus, ebenſo führt ſchon 803 ein Reccheo den Titel Cancellarius und gerade deswegen ſowie auch wegen des hohen Alters der Fuldaer Traditionen iſt es höchſt wahrſcheinlich, daß ſchon zur Zeit Eigils Chartularien beſtanden ha⸗ ben; aber wir ſind nicht im Stande, deren Exiſtenz beſtimmt nach⸗ weiſen zu können. Im Uebrigen ſpricht der Schriftcharakter der Handſchrift dafür, daß dieſe zur Zeit des Hrabanus angefertigt wurde. Nach dem Muſter des uns erhaltenen Codex waren nun die Urkunden derart eingetragen, daß die Schenkungen aus einem und mehreren Gauen immer zuſammengeſtellt waren und man ſo alsbald eine Ueberſicht über die Beſitzungen des Kloſters in den verſchiedenen

¹) Schannat, trad. fuld. praef. gibt Schriftprobe.

²) Dronke, antiq. praef.; Kunſtmann, Gelehrte Anzeigen der beriſe Academie der Wiſſenſchaften, Jahrgang 1845, Nr. 21 seq.