Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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formel dieſes beginnt faſt immer mit dem Chrismon und enthält Namen und oft auch Titel des Unterzeichners, welche in verlängerten Buchſtaben geſchrieben werden. In dem älteſten uns hier erhaltenen Originale Pippins(760) heißt die Formel: Chr. Hitherius in vice Baddilone(Sign. recog.), während in dem von Baddilo ſelbſt aus⸗ geführten Diplome von 766 neben dem Chrismon auch noch die Ver⸗ balinvocation in dei nomine ſteht und Baddilo recognovit ¹) et (Sign. recog.); die beiden von Karl d. G. vorhandenen Originale haben blos Chrismon und dann Widolaicus ad vicem Radoni (Sign. recog.). Die Hauptumriſſe des ſ. g. Recognitions⸗ oder Sub⸗ ſcriptionszeichen werden durch die Anfangsbuchſtaben von subseripsi gebildet, die ſich ſpäter in ein allgemeines Zeichen, welches dem Sinne nach das subscripsi vertrat, umgeſtaltete. Wenn auch Hauptgeſtalt dieſes ſymboliſchen Zeichens ebenſo wie die Elemente dieſer Zeichnung ſtets dieſelben waren, ſo hat doch jeder Recognoscent dasſelbe in ſeiner ihm ganz eigenthümlichen Weiſe behandelt, ſo daß dieſes ein weſent⸗ liches Merkmal für die Kritik einer Urkunde bildet und zwar um ſo mehr als der Recognoscent gerade dieſes Zeichen, wenn auch die andern Theile der Formel von der Kanzlei öfters ausgeführt wur⸗ den, ſelbſt anfertigte; ſo hat z. B. in P. 760 die Worte der Formel Hitherius geſchrieben, während Baddilo Recognoscent iſt. Re- cognoscere iſt der eigentlich techniſche Ausdruck für die Bezeugung der Richtigkeit einer Urkunde, woneben offerre oder obtulit in tiro⸗ niſchen Noten von dem Kanzler gebraucht wird, welcher, wie die bei⸗ den Karolingerdiplome von 781, dem Könige die Urkunde zur Unter⸗ ſchrift vorgelegt hat. Zu den Recognoscenten der Originalurkunden der Diplome des Kloſters Fulda während der Karolingerzeit gehören unter Pippin: Baddilo(P. 24) und Hitherius(P. 17); unter Karl d. G.: Widolaicus(K. 87 u. 88); unter Ludwig d. Fr.: Durandus(L. 84) und Hirminmaris(L. 342); unter Lothar: Remigius(841) und Eichardus; unter Ludwig d. D.: Woll⸗ fherius(878); unter Ludwig III. oder dem jüngeren Arnolfus (880); unter Karl dem Dicken: Waldo(882); unter Arnolf: Engilperus(887) und Aspertus(889); unter Ludwig dem Kinde: Ernuſtus(906 u. 907); unter Konrad I.: Odalfridus.*)

XII. 5. 6. Die nie fehlende Datierungszeile und Ap⸗ precation(kurzes Schlußgebet) ſchließen auch ſchon äußerlich die

¹) Anlage I. ²) Ueber die in den Urkunden, namentlich in und neben dem Subſcriptions⸗

zeichen ſo häufig angebrachten Tiron'ſchen Noten vergl. Sickel, Urkundenlehre B. I, 326. seq.