Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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des Urkundentextes ebenſo wie die Siegelung in Formel VIII. u. IX. angekündigt; beide bedingen die Vollziehung der Urkunde und man nennt dies firmare praeceptum. Unter Pippin und Karlmann werden alle eigentlichen Diplome mit Unterſchrift und Siegel verſehen, aus⸗ genommen nur Zollbefreiungen, die zuweilen durch Siegel allein be⸗ glaubigt werden, wie das praeceptum Hludovici imperatoris de teloneo vom 4. Februar 836, ebenſo wie das Lothars vom 1. Juli 850. Unter Karl d. G. vermehrt ſich die Zahl der Urkundenarten, welche nur geſiegelt werden; Befreiungen von fiscaliſchen Leiſtungen, Tauſchbeſtätigungen werden nicht mehr mit dem Handmale des Königs ausgefertigt; noch mehr verringert ſich die Zahl ſolcher Urkunden unter Ludwig, wo ſelbſt von der hergebrachten Regel, daß Immuni⸗ tätsurkunden von Herrſchern unterſchrieben ſein ſollen, ſich Aus⸗ nahmen finden. Die von Pippin dem Kloſter Fulda ertheilten Urkunden tragen ſämmtlich das Kreuz mit dem Vollziehungsſtriche, während die von Karl d. G. ausgefertigten das Monogramm mit dem Hand⸗ male haben; beiden Zeichen iſt von der Hand des Kanzlers jedes⸗ mals die erklärende Formel wie signum gloriosissimi regis beige⸗ fügt; ſo iſt P. 760 u. 766 Signum+, gloriosissimi regis über- einſtimmend mit der Anordnung in den Urkunden Karl d. G. und der folgenden Karolinger nur mit der ſelbſtverſtändlichen Aenderung des regis in imperatoris, wofür bei Lothar(841. 20. Auguſt) augusti und bei Arnolf(892. 10. Mai) invictissimi regis ſteht. Im Allgemeinen iſt bei der Beurtheilung über den Wert eines Di⸗ ploms feſtzuhalten, daß hier weniger das Vorhandenſein oder Fehlen der Formel X entſcheidet, als der Umſtand, ob ſie in Formel IX angekündigt wird oder nicht, und daß die Unterſchrift weſentlich als Erforderniß der Vollziehung gilt für ſolche Urkunden, in denen der König Immunität verleiht oder beſtätigt, von ſeinem Eigen ſchenkt, beſtätigt oder tauſcht,) von fiscaliſchen Lei⸗ ſtungen befreit oder fiscaliſches Recht überträgt, dagegen bleibt die königl. Unterſchrift in Schutzbriefen, Rundſchreiben, Freilaſſungsbriefen und ſolchen Urkunden, in denen Rechts⸗ geſchäfte dritter Perſonen, die dazu nicht beſonderer Erlaubniß des Königs bedürfen, beſtätigt werden, gewöhnlich weg.

XI. 4. Außer der königlichen Unterſchrift verlangte die Be⸗ glaubigung eines Diploms noch die eigenhändige Unterſchrift eines Kanzleibeamten, ſei es des Kanzlers ſelbſt oder eines an ſeiner Statt(ad vicem) fungirenden Notars. Die Protokoll⸗

¹) Sickel, Beiträge I, 360. 2*