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angeſehen werden dürfte. Manu propria subter firmare iſt die vor⸗ herrſchende Wendung für die Bezeichnung der königlichen Unterſchrift, worin man übrigens für dieſe Zeit niemals an eine Namensunter⸗ ſchrift, ſondern nur an den durch des Königs Hand in das von der Kanzlei vorgezeichnete Monogramm eingetragenen Vollziehungs⸗ ſtrich zu denken hat. Für die Ankündigung des Siegels lautet die Formel durchweg in den Originalen der Karolingerzeit für das Kloſter Fulda: de anolo nostro sigillare wie in P. 760 u. 766, in K. 777 u. 781, oder anuli nostri impraesione signare wie in L. 816 u. 834, während die Zollurkunde desſelben Königs ſich auch wiederum der einfacheren Form de anolo nostro subter sigillare, in ähnlicher Weiſe wie die andern hierhergehörigen Urkunden dies thun, ſich be⸗ dient. Die Corroborationsformel der älteſten Karolinger⸗Urkunden iſt gewöhnlich einfach: et ut haec cessio firmior habeatur, oder für cessio auctoritas mit dem Zuſatze vel post tempora melius con- servetur; Die Urkunde Karl d. G. von 777 ſagt: et ut haec autori- tas firmior sit manos nostre signaculis subter eam decrevimus roborari; In der Urkunde Ludwigs d. F. 816 findet ſich dieſe Formel erweitert: haec vero auctoritas ut in convulsam obtineat firmitatem et a fidelibus nostris verius credatur et diligentius conservetur, in ähnlicher Weiſe wie in der Urkunde Ludwig d. D. vom Jahre 844: et ut haec auctoritas concessionis nostrae firmior habeatur et per futura tempora verius credatur diligentiusque conservetur etc. Unter anulus hat man in ſolchem Zuſammenhange das auf dem Ringe des Königs angebrachte und auf dem Wachſe abgedruckte Bild zu verſtehen. Die in ſpäteren Jahrhunderten auf die Sicherung und Bekräftigung der Diplome berechneten Formeln, nämlich die Androhung(imprecatio) von weltlichen und geiſtlichen Strafen(poena temporalis und spiritualis oder auch pecuniaria und anathema genannt) findet fich nur in gefälſchten oder interpolirten Karolingerdiplomen außerhalb Italiens, wo ſchon unter Lothar und ſeinen Nachfolgern die Strafandrohung zu einem weſentlichen Theile der Urkunde wurde. Die in dem von Pippin dem Kloſter Fulda(752) ertheilten Privilegium enthaltene sententia districtionis apostolicae kann hier nicht in Betracht kommen, dieſelbe findet dort ihre Rechtfertigung in der durch den Inhalt bedingten Form, ¹) von welchem ſpäter die Rede ſein wird.
X. 3. Die Königliche Unterſchrift, wodurch die Authen⸗ tieität eines Diploms mit verbürgt wurde, wird in dem Schlußſatze
¹) Sickel, Beiträge IV, 607, III, 227; Sickel Urkundenlehre 1, 203.


