Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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werden.) Zwei gleiche Verzeichniſſe finden ſich als Dorſalaufſchriften der Copien des angeblichen Originals eines Beſchluſſes der Reichsverſamm⸗ lung zu Ingelheim vom Jahre 774, welcher die confirmatio de decimis enthält, aber, wie wir ſpäter ſehen werden, unecht iſt; dieſe Copien mit ihren Dorſalaufſchriften, ſowie das angebliche Original ſtammen ihrem Schriftcharakter nach höchſt wahrſcheinlich aus der⸗ ſelben Zeit, in welcher das oben erwähnte Verzeichniß angefertigt wurde, wenn gleich dieſelben in mannigfachen Angaben von einander abweichen. ²) In dieſen drei Verzeichniſſen ſowol, als wie auch in dem angeführten Briefe des Abts an den Pabſt ſind die Diplome geſondert nach den Ueberſchriften praecepta und privilegia; es iſt daraus klar, daß man damals unter privilegium im Gegenſatz zu praeceptum eine päbſtliche Urkunde verſtand. Daneben beſtand nun auch der Ge⸗ brauch, daß man einem praeceptum des Königs, wenn es k irchliche Verhältniſſe betraf, auch den Namen privilegium beilegte. Dem vorherrſchend hiſtoriſchen Gebrauche uns anſchließend nennen wir die Königsurkunden jedoch vorzugsweiſe, auch wenn ſie kirchliche Ver⸗ hältniſſe ordnen, nach dem Vorgange Sickels) Diplome einſchließ⸗ lich der Schenkungen u. dergl. und bezeichnen mit Privilegien ſolche Urkunden, welche kirchliche Verhältniſſe feſtſtellen, alſo insbe⸗ ſondere Urkunden der Päbſte und Biſchöfe.

Bevor wir jedoch zu den älteſten Diplomen ſelbſt uns wenden und dieſelben mit den erhaltenen Königsurkunden⸗Verzeichniſſen zu⸗ ſammenſtellen und ſie nach Originalen und Copien ſcheiden, iſt es im Allgemeinen notwendig, um ſpäter ſich kurz darauf beziehen zu können, die weſentlichen Formeln feſtzuſtellen, nach welchen die Diplome jener Zeit abgefaßt wurden, indem ſich dadurch leichter die inneren Merkmale für die Anerkennung deren Echtheit oder deren Verwerfung feſtſtellen.. Man unterſcheidet zunächſt im Allgemeinen bei jedem Diplome zwei weſentliche Theile, den einen nennt man das Proto⸗ koll, den andern den Text oder die Urkundenformel; der letztere wird in ſeiner Wortverfaſſung beſtimmt durch ſeinen Rechts⸗ inhalt; das erſtere beſagt, von welchem Herrſcher, zu welcher Zeit das Diplom ertheilt, und von welchem Kanzler es ausgefertigt worden iſt. Für alle dieſe Beſtimmungen gab es nun ganz feſtſtehende

¹) Zeitſchrift des Vereins für heſſ. Geſchichte. u. Landeskunde IV, 361, wo Dronke dieſes Verzeichniß mitgetheilt hat.

) Herquet: Specimina diplomatum monasterio Fuldensi a Karolis exhibitorum; Erſtes Heft nennt die Verzeichniſſe A. B. u. C.

3) I, 379. 25 4) Sickel I, 107.