Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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Ausdrücke, welche jede Zeit in beſondern Formeln ausprägte und damit iſt ein weſentliches inneres kritiſches Unterſcheidungs⸗ material an die Hand gegeben. Wir haben demgemäß für die Diplome der Karolingerzeit folgende Reihenfolge der Formeln, wobei wir der Ueberſicht wegen die laufenden Nummer der ganzen Urkunde mit römiſchen, die aber zuſammengehörigen Theile des Protokolls mit arabiſchen Ziffern, die Theile des Textes ſelbſt aber mit lateiniſchen Buchſtaben bezeichnen.)

I. 1. Die Anrufung, invocatio verbalis im Gegenſatze zur monogrammatiſchen Anrufung, dem Chrismon. Schon in der frühſten chriſtlichen Zeit(395) wurde die Anrufung des Namens Gottes als eine Bekräftigungsformel aller Verträge bezeichnet. Dieſe Anrufung wurde nun nicht immer vollſtändig ausgeſchrieben ſondern ſtatt derſelben wurden Zeichen der verſchiedenſten Art geſetzt und vorzugsweiſe wurde in den Diplomen der älteren Zeit nur eine ſymboliſche oder mono⸗ grammatiſche Invocation angewandt, ſpäter neben dieſer auch noch die verbale Anrufung Gottes in den Urkunden geſetzt. In Abſchriften iſt das Chrismon oft von den Copiſten in eine Verbalanrufung auf⸗ gelößt worden. ²) In der Regel beſteht dasſelbe aus einer lang⸗ geſtreckten ſenkrechten Linie mit allerlei Verzierungen vorzüglich am Kopfe und ſonſtigen conventionellen Schnörkeln verſehen. Die älteſten im Original vorhandenen Königsurkunden P. 752, P. 760 u. P. 766, K. 777, K. 781 u. K. 781, ſoweit ſie auf die Geſchichte der Abtei Fulda ſich beziehen und in hieſigem Archive vorhanden ſind, erhalten blos das Chrismon ohne verbale Invocation; dagegen hat L. 816 neben dem Chrismon auch die Invocation in Worten: in nomine domini dei et salvatoris Jhesu Christi; L. 834: in nomine sanctae et individuae trinitatis; L. 836: in nomine domini dei et salvatoris Jhesu Christi, desgl. L. 839; Lothar 841 u. 850 neben dem Chrismon: in nomine domini nostri Jhesu Christi dei aeterni; von Ludwig dem Deutſchen an lautet die invocatio verbalis: In nomine sanctae et individuae trinitatis; ſo in Ludwig II. 844, 875 u. 878; desgleichen in Ludwig III. 878 u. 880; ebenſo in den

*) Der Einfachheit wegen ritiren wir die Urkande nicht nach Böhmer und nicht nach Dronke ſondern nach Sickels Acta regum Bd. II, die Urkunden⸗ regeſten und verweiſen auf einige Abbildungen in der Anlage I. a. Chrismon aus P. 760. b. desgleichen aus dem apographum von 760; f. aus 880 und g. aus K. 781.

2) Dronke in cod. dipl. hat dieſes Zeichen ganz außer Acht gelaſſen, daher hat es den Anſchein, als ob in den älteſten Originalurkunden dieſe Formel I. 1. fehle, obgleich dem nicht ſo iſt.