Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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ſelben beeinflußen, ſo treten dieſe auch für unſern Zweck mehr in den Hintergrund und ſind nur inſofern hilfsweiſe heranzuziehen, als ſie für die ſpecielle Geſchichte ebenfalls ihre Bedeutung haben. Da wir ferner auch von den wenigen allenfalls hierhergehörigen Briefen, eine Form, angewandt in jenen Zeiten für einfach erzählende Mittheilungen, für Erörterung politiſcher und literariſcher Fragen ſowie Mittheilungen aus den verſchiedenen Kreiſen des Geſchäfts und öffentlichen Lebens, ¹) im Allgemeinen vorerſt abſehen können; ſo bleiben für unſere Betrachtung vorzugsweiſe die ſ. g. Diplome übrig, mit welchem Namen man vorzugsweiſe entweder Urkunden dec oberſten Staatsgewalt oder in feierlicher Form ausgeſtellte Königs⸗ urkunden(praecepta, placita) ²) belegt, von denen man ſodann die päbſtlichen Bullen(privilegia), zu denen die päbſtlichen Briefe und Mandaten zu rechnen wären, zu unterſcheiden hätte.

Die Urkunden ſelbſt bezeichnen die Diplome mit vielfachen, ohne Unterſchied gebrauchten Ausdrücken; ſie heißen da bald: aue⸗ toritas, praeceptum, praeceptio, Worte, die von jeder Art königlicher Urkunden gebraucht werden, denen ſich dann ſpäter die Ausdrücke charta, titulus und apices anreihen, während für Beſtätigungs⸗ Urkunden vorzugsweiſe das Wort confirmatio gebraucht wird. Es iſt darum ſchwer oder geradezu unmöglich aus der Bezeichnung, welche die Canzlei jener Zeit für dieſe Schriftſtücke braucht, einen durch⸗ greifenden Unterſchied feſtzuſtellen. Im Allgemeinen hat man jedoch ſchon früher den Unterſchied von praeceptum und privilegium feſt⸗ gehalten. So heißt es in dem Codex Eberhardi 1, 82a: praeceptum Ludocici imperatoris pro confirmatione privilegii, wie Eberhard über⸗ haupt privilegia apostolicorum und praecepta regum unterſcheidet; in gleicher Weiſe findet ſich dieſer Unterſchied feſtgehalten in den drei noch vorhandenen Urkunden⸗Verzeichniſſen des Fuldaer Archivs, von denen das eine wenigſtens der Zeit nach mit Sicherheit zu be⸗ ſtimmen iſt. Der Abt Witerad von Fulda(1060 1075) hatte näm⸗ lich mit dem Erzbiſchofe Adalbert von Würzburg wegen Diözeſan⸗ gerechtſamkeiten einen Streit, auf den wir, was die Sache betrifft, ſpäter zurückkommen werden. Witerad wandte ſich nun in dieſer An⸗ gelegenheit in einem Schreiben an den Pabſt Alexander II., bei welcher Gelegenheit, um die Rechte des Kloſters zu beweiſen, die ſämmtlichen dem Kloſter ſeit ſeiner Gründung ertheilten Privilegien der Päbſte und Präcepten der Könige und Kaiſer aufgezählt

u) Sickel I, 394. ) Sickel I, 5.