Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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Bevor jedoch die Darſtellung der Geſchichte dieſes Kloſters be⸗ gonnen werden kann, iſt es erforderlich, ſich von zwei Geſichts⸗ puncten aus vorher den Weg dazu anzubahnen.

Nicht bloß um die rechtliche Beziehung der Abtei zum Reiche, ſowie zur Kirche und ihre Stellung in derſelben darlegen, ſondern überhaupt um die allgemeinen politiſchen Verhält⸗ niſſe überblicken zu können, unter denen die Anfänge dieſes Kloſters begannen, wie der Beſitz desſelben anwuchs und welche Fortſchritte das öffentliche, ſowie das private Leben machte, dazu bedarf es des erſten Weges, das iſt einer genauen Ueberſicht und einer kritiſchen Sichtung des hiſtoriſchen Beweismaterials, ehe man die Hauptfragen ſelbſt berühren kann, um ſodann nach Maßgabe des gewonnenen Reſultats urkundlich bemeſſen zu können, inwiefern und ſeit welcher Zeit die bevorzugte Stellung der Abtei Fulda anzunehmen iſt, welches der Umfang iſt, den die Rechte derſelben beſchreiben, und nachzuweiſen, welche der früheſten Zeit angehörten und wie ſich dieſelben im Laufe der Zeit erweiterten. Es iſt dieſe Seite der Frage um ſo notwendiger vorauszuſchicken, als nicht nur allein in Bezug auf das Beweismaterial ſchon ſehr frühe Streitfragen entſtanden, inwiefern dasſelbe überhaupt als echt und ſomit beweiſend zuzulaſſen, als auch über den Zeitpunct, von wo an dasſelbe in ſeinem vollen Umfange als giltig zu betrachen ſei. Der erſte Punct, der ſeiner Zeit zu einem wahren bellum diplomaticum ſich entwickelt hatte, war um ſo hitziger und gerade nicht immer mit ſtreng wiſſenſchaftlicher Ruhe geführt worden, als es ſich dazumal noch um bleibende poſitive Rechte und praktiſche Vortheile handelte, während er gegenwärtig vollſtändig dieſes Charakters entkleidet iſt und lediglich nur wiſſenſchaftliche Seiten darbietet; mit jenem zugleich war aber auch der zweite Punct in Angriff genommen und wurde mit gleicher Heftigkeit für oder wiedergeſtritten, bis zu welchem Puncte rückwärts man die bevorzugte Stellung nachweiſen könne. Erſt nachdem man das nötige Beweismaterial durch die Vorfrage ſicher geſtellt hat, inwiefern es überhaupt als ſolches dienen kann, wird ſich mit Sicherheit auch die Frage beantworten laſſen, von welcher Zeit an dasſelbe gelten kann, in welchem Umfange das⸗ ſelbe von den frühſten Zeiten anzunehmen iſt und was ſich als im Laufe der Zeiten als weitere Entwicklung und Erweiterung der hier in Betracht kommenden Verhältniſſe anzuſehen iſt. Insbeſondere iſt der letzte Punct ins Auge zu faſſen, indem die ſeitherige Behandlung der Geſchichte der Abtei ſchon von früher Zeit an begann, das Be⸗ weismaterial, was allerdings für die ſpätere Zeit maßgebend war, auch ſchon als für die älteſten Zeiten als ſolches gelten zu laſſen