Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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ſich jedoch in dem ernſten Gemüte Karlmanns unter den Stürmen dieſer Zeit) der Vorſatz befeſtigt, die Freuden und Mühen der Welt zu ver⸗ laſſen, um in ſtiller Abgeſchiedenheit und in Uebung mildthätiger Werke die Befriedigung zu finden, die er vergeblich in dem Geräuſche des Hofes und in dem Getöſe der Schlacht geſucht hatte. Im Jahre 747 hatte er die Herrſchaft über die Franken ſeinem jüngeren Bruder Pippin übergeben, war nauch Italien gegangen und lebte dort als Prieſter in den ſtillen Kloſtermauern des Benedictinerſtifts Monte Caſino, indeß Pippin noch lange blutige Kriege zu führen hatte, bis ſeine Herrſchaft allgemein anerkannt war. Von Karlmann datirt die erſte Schenkungsurkunde für das Kloſter Fulda; ſie iſt uns eben⸗ ſo wie die Pippins in ihrer urſprünglichen Form nicht mehr erhalten; beide bekunden aber das große Intereſſe, welches dieſe Fürſten an der neuen Stiftung in Buchonien nahmen, die unter dem Schutze derſelben ins Leben getreten war und gerade durch dieſen Zuſammenhang mit dem erſten deutſchen Königshauſe wird uns ihre volle Bedeutung offenbar, in ähnlicher Weiſe, wie wir dies bereits geſehen haben, durch den Zuſammenhang mit der feſten Gründung der chriſtlichen Kirche und größeren Ausdehnung des ge⸗ ſammten Culturgebiets in Oſtfranken ²); denn erſt dadurch wurde die Verſchmelzungder einzelnen deutſchen Stämme eine bleibende, daß der gleiche chriſtliche Glaube die Herzen der Völker verband und eine einheitliche feſtgeglie⸗ derte Kirche den Ordnungen des Staats verſtärkend an die Seite trat. Dieſes große Werk zu vollbringen, dazu wirkten die angelſäch⸗ ſiſchen Glaubensboten, insbeſondere Bonifacius und ſeine Zög⸗ linge, die Mönche von Fulda, unterſtützt von den Fränkiſchen Haus⸗ meiern und Königen in kräftiger Weiſe zuſammen.

Winfrid war es alſo, der alle die einzelnen Pflanzungen ſeiner Vorgänger zuſammenfaßte in eine mächtige Organiſation und ihnen dadurch die Kraft zum dauernden Beſtehen gab, der zugleich die alte verfallene fränkiſche Landeskirche emporrichtete und ſo im Verein mit den Karolingiſchen Herrſchern das gewaltige Gebäude aufführte, in dem die neu hervor ſproßende geiſtige Bildung für viele Jahr⸗ hunderte eine geſicherte Stätte finden ſollte mitten unter allen Stürmen und Drangſalen der kampferfüllten Zeiten ¹²) und den Schluß⸗ ſtein in dieſer mächtigen Organiſation bildete das Kloſter Fulda.

¹) Pertz Geſchichte der Merowingiſchen Hausmeier p. 90 seq. ²) Dümmler Geſchichte des Oſtfränkiſchen Reichs 1, 7. 3) Wattenbach Deutſchlands Geſchichtsquellen im Mittelalter S. 95.