Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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27.

ungszeit des Königs, ſondern nach der des Majordomus; dieſer führte den Titel Herzog und Fürſt, er verlieh Güter und handhabte das Recht; Fürſten, Biſchöfe, Aebte, Freie und Unfreie gehorchten ihm; es war nur noch eine Frage der Zeit, wie lange die Merowinger Schattenkönige den Thron einnehmen ſollten, dem ſie nicht mehr ge⸗ wachſen waren und als die Großen des Reichs den Biſchof Burchard von Würzburg und Abt Folrad von St. Denis zum Pabſt Zacha⸗ rias ſandten, nachdem vorher über dieſe Angelegenheit auf einer Synode berathen worden war,) mit der Frage, ob es beſſer ſei, daß ein ſchwacher Merowinger König bleibe, oder daß derjenige, die königliche Krone trage, welcher die königliche Macht bereits beſitze, da war es trotz der unvollſtändigen Gutheißung von Seiten des Pabſtes, indem ſi die beſchränkende Bedingung enthielt, inſofern dadurch nicht die Ordnung im fränkiſchen Reiche geſtört werde, nunmehr Sache der Volksper⸗ ſammlung die letzte Entſcheidung zu treffen; Pippin wurde auf den Schild gehoben und von der jauchzenden Menge zum Könige der Franken ausgerufen; darauf ſalbten die galliſchen Biſchöfe den neuen König in Gegenwart des päbſtlichen Legaten Bonifacius und damit beſtieg das erſte deutſche Königs⸗ geſchlecht den fränkiſchen Thron undan den Stufen des neuen Thrones ſtand der Stifter des Kloſters Fulda.²)

So war im Frankenreiche der Anfang einer beſſeren Ordnung gemacht; die Vortheile, welche daraus für Ausbreitung und Sicher⸗ ung der chriſtlichen Religion erwuchſen, waren groß. Es erklärt ſich daraus das einheitliche Zuſammenwirken Karlmanns und Pippins auf der einen und der deutſchen Biſchöfe auf der anderen Seite und Bonifacius war nicht bloß für die Größe der Kirche eifrig thätig, ſondern wandte auch ſein ganzes Streben darauf, um zugleich dem Reiche der Franken Einheit und Feſtigkeit zu verſchaffen, weil er einſah, daß die Blüte des Chriſtenreichs weſentlich durch eine einheitliche ſtarke Regierung mit erreicht werde. Karl Martell hatte. ſterbend das Reich unter ſeine beiden Söhne getheilt; Karlmann hatte Auſtraſien, Pippin Neuſtrien erhalten. Früher ſchon hatte

¹) Hahn, Jahrbücher des Fränkiſchen Reichs S. 126; Thijin Karl der Große und ſeine Zeit S. 92.

²) Ueber die hier obwaltenden verſchiedenen Auffaſſungen neurer Geſchichtz⸗ ſchreiber vergleiche nan RettbergK. G. 1,380; GfrörerK. G. 3, 1; Oelsner de pippino rege francor.; Hefele C. G. 3, 354; Hahn Jahrbücher des Fr. R. p. 145 und Thijin Karl d. G. p. 317; außerdem über den Zeitpunct: For⸗ ſchungen z. d. G. 4, 159 seq; 4, 439, wonach die Zeit der Krönung zwiſchen den 31. October 751 als früheſten Tag und Ende Juli 75 ² als ſpäteſten Tag feſtgeſtellt wurde. Sickel acta regum I, 243.