Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 1. Buch. Die Urkunden
Entstehung
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die Mönche zu Fulda zur Flucht genöthigt ſahen. Auch in Thüringen waren ſchon zur Zeit Pippins ſächſiſche Heere eingebrochen und auch dort waren ſie mit Waffengewalt zurückgewieſen worden. Es war alſo ein weſentlicher Grund für die Auswahl des Platzes zur Stif⸗ tung des neuen Kloſters, eine Gegend aufzuſuchen, die möglichſt fern von den feindlichen Sachſen lag, aber zugleich auch noch eine andere Abſicht mit erfüllen ſollte. Es ſollte ſo gelegen ſein, daß es für die neu gegründeten Bisthümer und die darin wohnenden Völker möglichſt nahe lag und in Verbindung mit den⸗ ſelben bleiben oder vielmehr in eine ſolche kommen ſollte. Hierzu bot ſich aber geographiſch kein anderer Platz dar, der geeigneter geweſen wäre, dieſen doppelten Anſprüchen zu genügen, als die Gegenden an der oberen Fulda und daraus erklärt ſich, warum Bonifacius ſeinen Schüler Sturmi veranlaßt, tiefer in den Buchenwald vorzudringen. Der ge⸗ ſundene und von Bonifacius gutgeheißene Platz lag ſo recht in der Mitte zwiſchen Mainz, Würzburg, Erfurt und Buraburg; mit der Gründung des Kloſters wurde der Iſolirungsraum durchbrochen und in ähnlicher Weiſe, wie ſchon früher die Haupthandels⸗ und Heer⸗ ſtraßen von Erfurt nach Mainz durch den Buchenwald zogen, ſo waren nunmehr auch für den geiſtigen und religiöſen Verkehr die Wege gebahnt. Wie unbedeutend verſchwindet neben dieſen beiden vorherrſchenden höheren Geſichtspuncten die Anſchauung, als ob es ſich bloß um eine Gründung für ascetiſche Zwecke gehandelt habe! Man hat auch zum Beweiſe für dieſe letzte Auffaſſung ſich darauf geſtützt, daß Bonifacius ſeinen Schüler Sturmi wiederholt ſeinen Einſiedler genannt habe und daß dieſer gerade vorzugsweiſe durch ſein Beiſpiel die Veranlaſſung zu einer ſo ſtrengen Asceſe ge⸗ geben habe. Aus dem Umſtande, daß Bonifacius den Sturmi einen Einſiedler nennt, folgt weiter nichts, als daß es wirklich ſo war; wer tagelang in Waldungen einhergezogen und dann fern von allem Verkehr mitten im Walde ſeine Wohnung ſich erſt bereitete, der war allerdings ein Einſiedler im vollem Sinne des Wortes; daß er aber das nicht bleiben ſollte, das zeigte das Verfahren des hl. Bonifacius, der von allen Seiten Arbeitskräfte des Geiſtes und des Körpers zu- ſammenbrachte, damit das Kloſter das werden konnte, wozu er es beſtimmt hatte, ein Mittelpunct ſeiner neuen Schöpfungen. Wir erfahren von Bonifacius ſelbſt in ſeinem Briefe an den Pabſt Zacharias(751),) weshalb er dieſen Platz gerade ſeiner Lage

¹) Bei Schannat h. f. I, 2, bei Brower antiq. 3, 10 und auch bei

Dronke cod. dip. Nr. 3 ſteht dieſer Brief in unechter dem Codex Eberhardi entnommener Form, ef. Serrarius Mogunt. rer. III, 260. Die Stelle bei Dronke