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Stätte für mönchiſche abgeſchiedene Asceſe¹), denn es handelt ſich erſt recht um einen wahren Durchbruch der chriſtlichen Lehre verbunden mit der damit eng zuſammenhängenden Culturent⸗ wicklung des deutſchen Volkes. Als Grund für die ſoeben berührte Anſchauung, daß es dem hl. Bonifacius vorzugsweiſe nur darum zu thun geweſen, recht tief in die Waldeinſamkeit hineinzukommen, um dort eine von dem Hauptverkehr der Völker fernliegende, mönchiſche, ascetiſche Einſiedlei zu gründen, hat man angeführt, daß Sturmi bei ſeinem Vordringen in die Buchonia wiederholt von Bonifacius auf⸗ gefordert worden ſei, noch tiefer in die Waldeinſamkeit vorzugehen. Es iſt dies allerdings richtig, aber die Erklärung dieſer Weiſung liegt ganz anderswo, als in dem Aufſuchen eines Platzes für ein abgeſchiedenes Kloſterleben. Die Hauptgefahr für das Beſtehen der chriſtlichen Kirchen im Norden von Francia orientalis drohte von den Sachſen, indem ſie nicht allein in einem entſchiedenen politiſchen Gegenſatze gegen das Frankenreich ſich befanden, ſondern auch noch in einem und gerade durch jenes verſchärften Widerſpruch gegen die chriſtliche Lehre. Die nächſte Aufgabe freilich wäre nun geweſen, die Sachſen zu bekehren, was für dieſe gleichbedeutend mit politiſcher Umwerfung war; daraus folgt, daß dies für jene Zeit noch eine Unmöglichkeit war und wenn wir ſehen, welche Schwierigkeiten ſich noch nach einem halben Jahrhunderte Carl dem Großen darboten, der doch über ganz andere Mittel gebot, als ſie dem fränkiſchen Majordomus zur Verfügung ſtanden, dieſen Plan auszuführen, in einer Zeit, wo doch ſchon in mannigfacher Weiſe dem Unternehmen vorgearbeitet war; um wie viel weniger konnte ſchon Bonifacius daran denken, dieſen Plan auszuführen! Er war damit mit Notwendigkeit auf einen andern Plan angewieſen, er mußte, wenn man den Ausdruck gelten laſſen will, defenſiv verfahren, ſeine Gründungen ſoweit nach dem Innern des Landes, fern von den Gauen der Sachſen, verlegen, daß ſie nicht bei jedem Anſturme derſelben preisgegeben waren und ſogar für die weiter vorliegenden Stiftungen in Zeiten der Gefahr eine gewiſſe Zufluchtsſtätte bieten konnten. Wie richtig Bonifacius das voraus geſehen hatte, das erkennen wir bei Gelegenheit des von den Sachſen 778 ²) unternommenen Verheerungszugs, der bis zum Rhein bei Cöln, dann rheinaufwärts bis Coblenz und ſodann nach dem Maine und der Wetterau ſich zuwandte, ſo daß ſich ſelbſt
¹) Rettberg, Kirchengeſchichte 1, 371 und 605, ſtellt dieſe Anſicht auf
und ſagt, Seiters verwechsle den ſpäteren Erfolg mit der anfänglichen Abſicht.
. ²) Pertz, I, 349 u. 158. Die Niederlage der Sachſen fand an der Eder auf
dem Battenfelde ſtatt, wo Alemannen und Oſtfranken ſie einholten. Pertz1, 325 1*


