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wegen mitten zwiſchen den Volksſtämmen, denen er das Evangelium verkündet hatte, ausgewählt hatte und auch an einer andern Stelle betont Bonifacius nochmals, daß die Lage des Platzes um deswillen maß⸗ gebend geweſen ſei, weil die 4 Hauptvölker im Unkreiſe des Kloſters ¹) wohnten. Wahrſcheinlich ſind unter dieſen 4 Haupt⸗ völkern die Bayern, Franken, Heſſen und Thüringer gemeint, wenn gleich auch die Anſicht aufgeſtellt worden iſt, daß darunter Oſtfranken, Thüringer, Sachſen und Rheinfranken oder Bayern, Alemannen, Franken und Sachſen zu verſtehen ſeien. ²) Dieſe klaren Zeugniſſe ſprechen deutlich die Wahrheit dahin aus, daß es ſich nicht um ein Ereigniß handelte, das erſt durch den Erfolg ein anderes geworden iſt, als die urſprüngliche Abſicht war, ſondern daß der Entſchluß vornherein von dem Gedanken getragen wurde, eine Stiftung zu gründen, die nicht bloß geographiſch den Mittelpunct zwiſchen den beſtehenden Kirchen und Biſchofsſitzen ausmachte, ſondern die auch in geiſtiger Beziehung berufen war, dieſe Stelle auszu⸗ füllen, als Centralpunct zu dienen, von dem die Strahlen wie die Radien im Kreiſe gleichmäßig nach allen Seiten ausliefen und die Reihe der verſchiedenen Stiftungen des hl. Bonifacius würdig zu ſchließen. Daß man übrigens anfangs ſowie ſpäter mit großem Eifer die Ordnungen und Vorſchriften des Kloſterlebens befolgte, das kann um ſo weniger als Beweis dafür angeſehen werden, daß es lediglich dabei auf eine Stätte für mönchiſche Asceſe abgeſehen geweſen ſei, weil ſich die Beobachtung der Regeln eigentlich von ſelbſt ver⸗ ſtand, ſie die Bedingung war, unter denen das neue Zuſammenleben ſtattfand; daß man aber gar bald allzuſtrenge Maßregeln wieder aufgab, die das Weſen der Ordensregeln nicht berührten, darüber gibt uns Eigil ſehr deutliche Beweiſe. Er erzählt uns, daß in den erſten Jahren in dem Kloſter Fulda der Genuß jedes ſtarken Getränks vermieden worden wäre; daß aber dieſer Beſchluß, als die Zahl der
von ordinaret an bis episcopum.. distraxerit iſt offenbar untergeſchoben; in dem echten Briefe ſteht dort ganz etwas anderes; erſt von enim locus an bis zu Ende iſt wiederum von dem Kloſter Fulda die Rede; die hier maßgebende Stelle ſteht übrigens übereinſtimmend mit dem echten Briefe auch im unechten: est enim locus ille, quem elegi, Fulda nomen habens a flumine qui praeterfluit in vasta solitudine Bochoniae, in medio nationum predicationis nostrae, in quo loco monasterium construxi..
)) Quatuor etenim populi, quibus verbum Christi per gratiam Dei diximus in circuitu loci huius habitare dinoscuntur. Quibus cum vestra intercessione, quamdiu vivo vel sapio, utilis esse possum.
²) K. Schwartz Programm von 1856 S. 15; Erſch und Gruber Eneycl. 13, 305.


