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das Rheiniſche Provinzial⸗Schulkollegium entließ ihn unter dem 24. September aus ſeiner Bonner Stellung unter dem Ausdrucke„der Anerkennung ſeiner dem rheiniſchen Schulweſen Jahre lang zu Gute gekommenen Leiſtungen“, ſo daß er ſchon am 1. Oktober ſein neues Amt antreten konnte.
Hermann Arthur Kortegarn, geb. am 1. Auguſt 1837 zu Neuwied als Sohn des damaligen
Rektors der dortigen höheren Bürgerſchule, ſpäteren Vorſtehers einer Privat⸗Unterrichts⸗ und Erziehungs⸗
Anſtalt in Bonn, evang⸗Konfeſſion, ſtudierte nach Abſolvierung des Bonner Gymnaſiums in Bonn, Berlin,
London und Paris Philologie, promovierte auf Grund einer archgeologiſchen Diſſertation»De Tabula Ar-
chelai« in Berlin, machte ebendaſelbſt das Examen pro facultate docendi in den alten und den neueren
Sprachen, war ein Jahr lang Mitglied des Herrig'ſchen Seminars und beſuchte zu ſeiner pädagogiſchen
Ausbildung mit miniſteriellem Einführungsſchreiben verſehen eine Anzahl von Realſchulen I. Ordnung, bei
welcher Veranlaſſung er auch mit den für die Verwaltung geltenden Einrichtungen eingehend bekannt gemacht
wurde. 1863 übernahm er die Anſtalt ſeines Vaters, reorganiſierte ſie nach dem Lehrplan der Realſchulen
I. O. und brachte es dahin, daß ſchon 1866 die erſte Uebergangsprüfung von Ober⸗Secunda nach Prima
und 1868 die erſte Maturitätsprüfung nach dem Reglement für Realſchulen I. O. in der Privatanſtalt ſelbſt
unter Vorſitz eines Provinzial⸗Schulraths mit günſtigem Erfolge abgehalten wurde. Er war fünf Jahre lang
Mitglied der Wiſſenſchaftlichen Prüfungs⸗Kommiſſion pro facultate docendi für das Fach der neuern
Sprachen und von 1874— 1880 als erſter Sekretär des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande mit
der Redaktion der Jahrbücher desſelben betraut.
Am 12. Oktober 1880 erfolgte ſeine Einführung durch Herrn Provinzialſchulrath Dr. Rum⸗ pel vor der in der Aula verſammelten Schule. Der Feier wohnten von Seiten des Kuratoriums die Herren Bürgermeiſter Dr. Heußenſtamm, Stadtrath Beck und Dr. Varrentrapp als Vertreter des Magiſtrats, Dr. Rumpf und Dr. Löwe als Vertreter der Stadtverordneten und Konſiſtorialrath Dr. Ehlers als einer der Vertreter der kirchlichen Gemeinden bei. Ein aus Lehrern und Schülern gebildeter Sängerchor unter Leitung des Herrn Kollegen Morin eröff⸗ nete und ſchloß dieſelbe. Herr Provinzial⸗Schulrath Dr. Rumpel hob in ſeiner Rede hervor, daß er in dieſem Augenblicke, in welchem er im Auftrage des Kgl. Prov. Schulkoll. den neuen Direktor in das Amt einführe, zu welchem ihn das Vertrauen der ſtädtiſchen Behörde berufen habe, nicht unterlaſſen könne, des Mannes zu gedenken, welcher bis vor kurzem die Schule geleitet habe und gerade dann als er ſicher glauben und hoffen durfte, ſein ruhmvolles Werk ſegensreich abzu— ſchließen, unerwartet abberufen worden ſei. Direktor Kreyſſig habe es verſtanden, die An⸗ ſtalt, zu deren Leitung ihn das Vertrauen der königlichen Behörde empfohlen habe, unter den ſchwierigſten Umſtänden zu hoher Blüte zu bringen; es ſei ihm gelungen, die bei ſeiner Berufung getrennt neben einander beſtehenden Organiſationen zu einer Einheit zuſammenzufügen und in den Rahmen der ſtaatlichen Beſtimmungen einzuordnen. Redner ſelbſt habe Schritt für Schritt dieſer unabläſſigen Arbeit als Zeuge zur Seite geſtanden und er könne die Anerkennung, welcher die königliche Behörde durch Verleihung des Profeſſortitels Ausdruck gegeben habe, aus ſeiner eignen Erfahrung voll und ganz beſtätigen, indem er hinzufüge, wie ſehr ihn perſönlich das unerwartete Hinſcheiden des ſo rüſtig erſcheinenden Mannes erſchüttert habe. Jetzt ſei die Schule fertig geworden und in dieſem Zuſtande gehe ſie an ſeinen Nachfolger über, welcher ſich bereits als Leiter einer Anſtalt bewährt habe, jetzt aber zu einem weiteren und verantwortungsvolleren Kreiſe der Thätigkeit berufen ſei. Die Regierung habe die Wahl der ſtädtiſchen Behörde mit, vollſtem Vertrauen beſtätigt; ſie ſei überzeugt, daß der neue Leiter der Anſtalt ebenſo wienderm
verſtorbene eine wahrhaft religiöſe Geſinnung, einen echt deutſchen Sinn und warme Lieben zunt” 7*


