Aufsatz 
Das Aquarium des Zoologischen Gartens zu Franfurt am Main
Entstehung
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naten mit der Leitung derſelben betraut iſt, zu ermeſſen: überall finden ſich die Spuren des großen organiſatoriſchen Talentes und der gewaltigen geiſtigen Kraft des der Schule und der Wiſſenſchaft allzufrüh Entriſſenen; bewundernswerth iſt die Thatkraft, mit welcher er unter Ueber⸗ windung vielfacher innerer und äußerer Schwierigkeiten in kaum einem Decennium einen großen Schulorganismus hergeſtellt hat, der der Stadt Frankfurt zum Ruhme, ihrer Jugend zum Segen, dem höhern Schulweſen des Vaterlandes zum Vorbilde gereicht. Kreyſſig's Bedeutung reicht weit über dieſe Stadt hinaus: wo man Geiſtesarbeit liebt und ſchätzt, da ſteht ſein Name in hohem Anſehen. In einer am Jahrestage ſeines Todes abgehaltenen Konferenz widmete dem Verſtor⸗ benen der neue Direktor herzliche Worte der Erinnerung, und pietätvoll erhob ſich das ganze Lehrer⸗Kollegium, um ſein Andenken zu ehren. Am Tage vorher war das durch freiwillige Bei⸗ träge ſeiner Freunde und Schüler beſchaffte Denkmal auf ſeinem Grabe aufgerichtet und von den Schülern der Klaſſe, welche ihm als ihrem Ordinarius am nächſten geſtanden, bekränzt worden. Unmittelbar nach dem Tode des Herrn Direktor Kreyſſig waren nämlich die Schüler der Prima zuſammengetreten, um in Uebereinſtimmung mit den Behörden und ihren Lehrern einen Aufruf zur Errichtung eines würdigen Grabmals für den Verſtorbenen zu erlaſſen. Der ſchönſte Erfolg krönte das Unternehmen. Freunde und Schüler Kreyſſigs ſteuerten gerne bei, und ſo konnte in kurzer Zeit zur Ausführung geſchritten werden. Es befindet ſich in der nordöſtlichen Ecke des neuen Friedhofs. Auf einem Sockel von rothem Sandſtein erhebt ſich das Denkmal aus grauem lothringiſchem Stein, welches nach oben hin in ſchön profiliertem Halbrund, von einer Palmette gekrönt, abſchließt. In dieſem oberen Teile befindet ſich, von einem Lorbeerkranz umrahmt, das in Bronzeguß ausgeführte Relief des Verſtorbenen. Es iſt dem Bildhauer, Herrn Schierholz, welcher ſich mit der größten Hingebung der ſchwierigen Aufgabe gewidmet hat, gelungen, die le⸗ bendig bewegten Züge des geiſtvollen Mannes bei vollſter Bewahrung der Aehnlichkeit in die monumentale Ruhe zu übertragen, welche einem Kunſtwerk geziemt, das den bleibenden Charakter in ſeiner Bedeutung wiederzugeben die Aufgabe hat. Es iſt dem Künſtler daher der Dank der Schule, dem wir hiermit öffentlich Ausdruck geben, dauernd gewidmet.

Herr Dr. Oelsner führte die interimiſtiſche Direktion während des Sommer⸗Semeſters bis zum Eintritt des neuen Direktors weiter. Die Schule iſt ihm für die umſichtige Leitung ihrer geſammten innern und äußern Angelegenheiten während des neunmonatlichen Interimiſticums zu großem Danke verpflichtet, wie denn auch das Königl. Provinzial-Schulkollegium durch Ver⸗ fügung vom 9. Oktober 1880 ihmfür die interimiſtiſche Leitung der Anſtalt, namentlich für die gewiſſenhafte und umſichtige Erledigung der Geſchäfte ſeine Anerkennung ausgeſprochen hat. Aehnlich ſprach ſich das Kuratorium unter dem 13. Oktober aus. Der Berichterſtatter ergreift gern dieſe Gelegenheit, dem verehrten Herrn Kollegen ſeinen aufrichtigſten Dank abzuſtatten für die freundliche Bereitwilligkeit, mit welcher er ihn während des nun zu⸗Ende gehenden Winter⸗ Semeſters jederzeit mit Rat und That unterſtützt und es ihm dadurch ermöglicht hat, ſich raſch in dem großen und complicirten Organismus der Wöhlerſchule heimiſch zu machen.

Auf Vorſchlag des Kuratoriums der höheren Schulen ernannte der Magiſtrat in ſeiner Sitzung vom 14. Mai 1880 den Direktor Dr. Kortegarn in Bonn zum Direktor der Wöhler⸗ ſchule; Se. Majeſtät der Kaiſer und König geruhten unter dem 23. Juli dieſe Wahl zu beſtätigen;