Aufsatz 
Das Aquarium des Zoologischen Gartens zu Franfurt am Main
Entstehung
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kriecht mit Hülfe derſelben umher und ſetzt ſich zuweilen an die Glasſcheibe. Intereſſant iſt es eine Seegurke bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten; von Zeit zu Zeit knickt eins der großen, fein veräſtelten Tentakel um und ſchiebt ſich in den Mund ein; gleich darauf legt ſich ein kleines über den Mund und nun zieht ſich der große Arm unter dem kleinen hervor, ſo daß jegliche Beute, die er ergriffen hatte, in den Mund geſtreift wird. Kaum iſt er in ſeine frühere Lage zurückge kehrt, ſo kommt ſchon wieder ein anderes Tentakel heran, um den Fang abzuliefern, der wahr⸗ ſcheinlich in Krebschen, Infuſorien und umherſchwimmenden organiſchen Partikelchen beſteht. Holothuria tubulosa, die Röhrenholothurie erreicht eine bedeutendere Größe, bis 23 cm; ſie iſt braun bis ſchwarz gefärbt und hat nur kurze, blattförmige Fangarme; ſie ergreift mit den ſelben aber nicht, wie die Seegurke, umherſchwimmende Nahrung, ſondern frißt Sand und ernährt ſich von den darin enthaltenen organiſchen Reſten. Bei Berührung, oft aber auch, ohne daß eine ſolche ſtattgehabt, ſpeit ſie ihre Eingeweide aus; dieſelben ergänzen ſich vollſtändig wieder.

Vermes. Würmer.

Die Würmer ſind im Meer zahlreich vertreten und ſpielen als Nahrung der Fiſche eine große Rolle in der Fauna deſſelben. Aber nur wenige eignen ſich für das Aquarium; eine große Zahl derſelben iſt zu klein für die Betrachtung mit bloßem Auge und die großen leben faſt alle im Schlamm verſteckt. Wir werden daher nur die aufzählen und betrachten, die unſerer Beob⸗ achtung zugänglich ſind.

*Spirographis Spallanzanii, der Meerpinſel, bewohnt eine etwa 2 dm lange, bleifeder dicke, lederartige Röhre. Der Wurm kann ſich in dieſe ganz zurückziehen; oft hängt nur ein, wie ein Haarbüſchel ausſehender Theil aus der Röhre heraus und dann iſt die Aehnlichkeit mit einem Pinſel allerdings ſehr in die Augen fallend, oder aber das Thier entrollt den außerhalb der Röhre be findlichen Theil zu einer korkzieherförmig aufgerollten Spirale, die mit an Größe von unten nach oben abnehmenden, feingefiederten Faſern beſetzt iſt. Das Thier bietet in voller Entfaltung einen prächtigen Anblick dar und Mancher mag ſehr enttäuſcht ſein zu hören, daß das Weſen, das mit ſeinen ſchönen Linien, ſeinen oft leuchtenden Farben, ſeinen graziöſen Drehungen das Auge feſſelt, eben nur ein Wurm iſt. Was wir da von dem Thiere betrachten, ſind ſeine Kiemen; der übrige Körper bleibt ſtets in der Röhre und die Kiemen bringt er auch bei jeder geringſten Gefahr in derſelben in Sicherheit. Ungemein empfindlich ſind die Thiere gegen Licht; es braucht nur Jemand etwa mit einem Schirm über das Becken hinzufahren, ſo werden ſofort ſämmtliche Meerpinſel, die der Schatten des Schirmes traf, in ihren Röhren verſchwinden, um dann allerdings ſehr bald ruckweiſe aus derſelben wieder emporzutauchen.

Serpula contortuplicata, der gewundene Röhrenwurm, bewohnt runzliche, zuweilen fuß⸗ lange Kalkröhren, aus denen die rothen Kiemen in Form einer Halskrauſe hervorragen; in der Oeffnung der Krauſe ſteht, auf einem Stiel, ein kleiner mit der Spitze nach unten gerichteter Kegel, deſſen Bedeutung ſofort klar wird, wenn wir das durch irgend etwas erſchreckte Thier in der Röhre verſchwinden ſehen; der Kegel bildet dann einen vollſtändigen Verſchluß der Röhre.