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derſelben zu liefern kann nicht der Zweck dieſer Zeilen ſein; ſie ſollen dem Beſucher des Aqua⸗ riums vielmehr nur zur Erklärung deſſen dienen, was er ſieht; es wird daher nur ſelten, wo der Zuſammenhang es erfordert, von inneren anatomiſchen Verhältniſſen die Rede ſein und die Thiere, die ſich wegen ihrer Kleinheit der Beobachtung mit bloßem Auge entziehen, werden durchweg über⸗ gangen werden. Da die Beſetzung der Becken zu verſchiedenen Zeiten verſchieden iſt, ſo können die Thiere nicht wohl anders als in ſyſtematiſcher Reihenfolge vorgeführt werden, da jedoch ge⸗ wiſſe Becken ſeit der Eröffnung eine mehr oder weniger conſtante Bewohnerſchaft gehabt haben und wohl auch in Zukunft haben werden, ſo wollen wir die Becken, vom Eingang links anfangend, die Süßwaſſerbecken miteingerechnet, mit 1—14 bezeichnen; hin und wieder wird dies die Auf⸗ findung der Thiere erleichtern. Die faſt regelmäßig anzutreffenden Bewohner des Aquariums ſind durch einen Stern ausgezeichnet. Wo keine beſondere Bemerkung über die Heimath eines Thieres gegeben iſt, dürfen unſere deutſchen Meere als ſolche betrachtet werden. Wir beginnen unſere Be⸗ trachtung mit den am einfachſten gebauten, den ſog. niederen Thieren.
Protozoa. öürthiere.
Von den Protozoen oder Urthieren beherbergt das Aquarium entſchieden die größte Zahl von Individuen. Millionen und aber Millionen Infuſorien und Wurzelfüßler oder Foraminiferen be⸗ wohnen jedes Becken, aber unſer Auge ſieht ſie wegen ihrer geringen Größe nicht; erſt das Mi— kroſkop kann ſie uns kennen lehren. Beobachten wir aber wie eine kleine Seeroſe oder eine Holo⸗ thurie für uns Unſichtbares zum Munde führt, dann mögen wir annehmen, daß dieſelbe Weſen dieſer Art erbeutet hatte. Jedenfalls wollen wir uns vornehmen, wenn wir den Seeaal, den Hummer und noch manches Andere geſehen haben, nicht das Aquarium mit dem Gedanken zu verlaſſen, jetzt Alles geſehen zu haben; je aufmerkſamer wir beobachten, deſto mehr neue Formen werden ſich unſerm Auge zeigen; dem bewaffneten Auge iſt dann aber immer noch eine ganze Lebewelt vorbehalten.
Cœlenterata. Hohlthiere.
Dieſelben ſind im Aquarium durch die Schwämme, die Polypen und Hydromednſen ver⸗ treten; ihre vierte Abtheilung, die zarten Rippenquallen erreichen daſſelbe nie.
Schwämme: In dem Becken 1 ſieht man oft orangegelbe, ſtrauchartige Gebilde ausgeſtellt; es iſt
Suberites flavus, der gelbe Korkſchwamm aus dem adriatiſchen Meer. Erſt bei genauer Aufmerk⸗ ſamkeit kann man etwas an ihm unterſcheiden; man findet nämlich, daß die gelbe Maſſe mit einer durch— ſichtigen gallertartigen Schicht überzogen iſt, die hie und da cylinderförmige offene Erhöhungen hat. Aus dieſen osculis ſieht man bei günſtiger Stellung des Schwammes kleine Partikelchen ausſtrömen, ein Zeichen, daß aus ihnen ein Waſſerſtrom austritt. Wie das Waſſer in den Schwamm hinein kommt, iſt mit bloßem Auge nicht zu beobachten; es tritt durch Tauſende feiner Löcher in den⸗ ſelben ein, durchfließt ein Syſtem von Canälen im Innern des Schwammes, wobei dem Waſſer


