Aufsatz 
Das Aquarium des Zoologischen Gartens zu Franfurt am Main
Entstehung
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Es wird nun auch nicht unintereſſant ſein, zu wiſſen woher unſer Aquarium all die Meeres⸗ bewohner bezieht und wie ſie transportirt werden. Wie ſchon bemerkt ſehen wir in demſelben Thiere der Oſtſee, Nordſee, des atlantiſchen Oceans und des Mittelmeeres; von den Geſtaden der Oſt⸗ ſee treffen Sendungen ein aus Stralſund und Neuſtadt, von der Nordſee von Helgoland, Wilhelms⸗ haven und Oſtende, vom atlantiſchen Ocean von le Hävre und vom Mittelmeer von Trieſt. Als Transportgefäße benutzt man kleine offene Tonnen und Blechgefäße oder auch bei beſonders zarten Thieren in Kiſten ſorgfältig verpackte, mit Leinwand überbundene Glasgefäße. Man vermeidet ſoviel wie möglich mehrere größere Thiere in einem Gefäße zu verſchicken, nur von den kleineren, wie Seepferdchen, Krebſen, Garneelen ꝛc. verſendet man eine größere Anzahl in demſelben Gefäß. Gar leicht wird das Waſſer ſchlecht und die Thiere gehen zu Grunde. Ein ſehr wichtiger Um ſtand, von dem das Gelingen des Transportes abhängt, iſt natürlich die jedesmalige Witterung; friſches, kühles Wetter begünſtigt im allgemeinen einen Transport, ſchwüles Wetter ſchädigt ihn leicht. Das Fahren auf der Eiſenbahn bekommt der Sendung beſſer als die Beförderung per Schiff; das Schütteln auf dem erſteren Transportwege iſt weniger ſchädlich als man glauben möchte; durch die Bewegung wird das Waſſer leichter als in der Ruhe erfriſcht. Es iſt immerhin er ſtaunlich genug, welch zarte Geſchöpfe ſogar den langen Weg von Trieſt auf hier, 2 Tage und 3 Nächte, überſtehen und mancher Beſchauer wird ſich kaum von den Schwierigkeiten und Koſten derartiger Transporte einen richtigen Begriff machen. Sind die Thiere nun auch wirklich lebend hier angekommen, ſo iſt damit noch nicht alles gethan. Das Waſſer, in dem die Thiere trans⸗ portirt wurden, wird in Salzgehalt und Temperatur in der Regel von dem des Aquariums ab⸗ weichen und die von den Strapazen der Reiſe erſchöpften Thiere würden einen plötzlichen Wechſel übel empfinden. Man ſetzt ſie daher nicht ſofort in die Becken, ſondern miſcht von dem Trans⸗ portwaſſer mit Aquarienwaſſer, läßt dieſe Miſchung in einem feinen Strahl zu dem übrigen Trans⸗ portwaſſer, in dem die Thiere ſich befinden, fließen und ſetzt dieſe Manipulation längere Zeit fort, ſo daß erſt nach Stunden eine ſolche Sendung zum Einſetzen in die Becken fertig iſt.

Oeffentliche Aquarien giebt es erſt ſeit etwa 30 Jahren. Wie überhaupt zunächſt die Lieb⸗ haberei für Zimmeraquarien, angeregt durch die Verſuche von Warrington und Goſſe, von England ausgegangen iſt, ſo iſt auch das erſte öffentliche Aquarium in London 1853 im Garten der zoologiſchen Geſellſchaft eingerichtet worden. Es hatte indeß eine weſentlich andere Einrichtung als unſere jetzigen; es war nur eine Ausſtellung von einzelnen großen Tanks oder Kaſten Aquarien, deren Waſſer nicht gewechſelt wurde und in denen man durch ſorgfältige Auswahl der in denſelben ausgeſtellten Thiere und Pflanzen die natürlichen Exiſtenzbedingungen nachzuahmen verſuchte. Alford Lloyd( 13. Juli 1880) verließ dieſes Syſtem und erbaute die erſten Aqua rien mit Tiefreſervoir 1860 in Paris im Bois de Boulogne und 1864 in Hamburg. Dieſelben fanden ſoviel Anklang, daß nun in ſchneller Folge derartige Inſtitute in andern Städten ent⸗ ſtanden, nämlich 1866 in Hannover, 1869 in Berlin, 1872 in Brighton, 1874 in Neapel, 1876 in London(Weſtminſter) und New⸗York, 1877 in Frankfurt a. M., 1878 in Leipzig und vor⸗ ausſichtlich wird in dieſem Jahre das vielleicht am beſten und großartigſten eingerichtete Aqua- rium in Amſterdam eröffnet werden.

Wenden wir uns jetzt zu den Bewohnern des Aquariums. Eine ausführliche Naturgeſchichte