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unſern nördlichen Meeren meiſtens braungefärbte Tange, Fucoideen, in größerer Tiefe, unter 25 m, ſchön rothgefärbte Florideen. Die lebenden Pflanzen dienen Schnecken und Strahlthieren zur Nahrung; ſterben ſie ab, ſo ſinken ſie auf den Boden des Meeres und zerfallen an deſſen tieferen Stellen zu jenem feinen Schlamm, den man als Mud oder Schlick bezeichnet. Dieſer nun iſt die Nahrung ungezählter Würmer, Krebſe, Schnecken und Muſcheln; ſie ſetzen die modernden Pflanzenſtoffe in Fleiſch um und dienen wiederum größeren Meerthieren, vor allen den Fiſchen zur Nahrung. Letztere produziren eine Unmenge Eier, die ſo vielen jungen Fiſchen das Leben geben, daß das Meer wohl bald von Fiſchen angefüllt wäre, würden alle ſich ungeſtört entwickeln. Aber die bei weitem größte Mehrzahl derſelben geht zu Grunde; die kleinen Fiſchchen dienen größeren Fiſchen und vielen anderen Thieren zur Speiſe. Man darf nun nicht hoffen dieſe Beziehungen zwiſchen Thier⸗ und Pflanzenwelt, ſowie die Beziehungen zwiſchen den Gliedern der Thierwelt untereinander, ſo wie man ſie in der Natur beobachtet im Aquarium nachahmen zu können; im Gegentheil wird oft darauf Bedacht zu nehmen ſein, daß nicht Thiere in daſſelbe Becken geſetzt werden, von denen die einen die andern verzehren. Nur einige kleine Lebensformen werden ſich im Aquarium ſo zu ſagen ſelbſtſtändig ernähren, nämlich ſolche, die von den umherſchwimmen— den Schlammtheilchen und kleinſten Organismen ſich nähren, wie die kleinen Seeroſen, die Holo⸗ thurien, Seepocken u. ſ. w., allen größeren wird in Ermangelung der Thiere, die ihnen im Freileben als Beute dienen, andere Fleiſchnahrung gereicht. Gewiſſe Fiſche, die Krebſe und See⸗ roſen erhalten zerſchnittenes Fleiſch, anderen Fiſchen giebt man todte oder lebende Flußfiſche, noch andere, wie die Rochen, erhalten lebende Krabben; für alle aber ſind Mießmuſcheln ein Lecker⸗ biſſen. Auf eine ganz beſondere Art füttert man die zarten Seenelken; ſelbſt fein zerhacktes Fleiſch würde für ſie noch eine zu grobe Koſt ſein; man zerreibt daher Hirn mit Waſſer zu einem Brei und ſpritzt dieſen in das Becken.
Jetzt noch einige Bemerkungen über das Aquariengebäude. Der die Becken enthaltende Theil deſſelben liegt ein wenig über dem Niveau des Gartens; der für die Beſchauer zugängliche Theil deſſelben iſt eine Halle von 18 m Länge, an deren beiden Langſeiten ſich je 6 Becken mit See⸗ waſſer befinden; dem Eingang gegenüber liegen 2 Süßwaſſerbecken, die ununterbrochen von der Quellwaſſerleitung geſpeiſt werden. Jedes der 12 Seewaſſerbecken iſt 2,20 m tief und 2,80 m breit, in der Höhe ſind ſie ein wenig verſchieden; die mittleren ſind 1,62 m hoch, die nächſten 1,48 m und die an den Enden 1,34 m, wie ſchon bemerkt um die Strömung von den mittleren Becken zu den äußern zu erzeugen. Die Becken ſind gegen den Beſchauerraum durch 36—40 mm dicke Tafeln von Spiegelglas abgegrenzt, von denen die größten 7 Ctr. wiegen. Die Becken ſind an ihren Wänden mit Felspartieen decorirt, zu deren Aufbau man verſchiedenes Material verwen⸗ dete, um denſelben einen verſchiedenen landſchaftlichen Charakter zu verleihen. Bezeichnen wir das Becken links vom Eingang als das erſte, ſo enthält No. 1 Thonſchiefer aus der Gegend von Hom⸗ burg und Oberurſel, No. 2 Thonſchiefer von Mammolshain, No. 3 Dachſchiefer von Caub, No. 4 wie 1, No. 5 Geſtein von Eppſtein, No. 6 Baſalt von Lauterbach; die Felſen in den Süßwaſſer⸗ becken ſind Conglomerate von Wächtersbach und an der andern Seite folgen die Geſteine in um— gekehrter Folge, wie in der erſten Reihe. Der ganze Waſſervorrath beträgt 600 cbm. Im übrigen ſei auf den beigefügten Querſchnitt des Aquariengebäudes verwieſen.


