Aufsatz 
Das Aquarium des Zoologischen Gartens zu Franfurt am Main
Entstehung
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Sie reichen aber doch lange nicht aus, um das Waſſer mit dem nöthigen Sauerſtoff zu verſehen und eine gehörige Durchlüftung bleibt immerhin ein Haupterforderniß für die Brauchbarerhaltung des Aquarienwaſſers. Dieſe Durchlüftung des Waſſers wird in dem hieſigen Aquarium vor allem dadurch erreicht, daß ſämmtliches Waſſer deſſelben ſtets in Bewegung erhalten wird. Der Beſucher, der faſt bis auf den Grund jedes Beckens einen Strahl von Luftbläschen eintreten ſieht, könnte glauben, es würde auf irgend eine Weiſe eben nur ein Luftſtrom in jedes Becken geblaſen; das iſt aber nicht der Fall. Ein Waſſerſtrahl wird in jedes Becken geleitet und dieſer reißt Luft mit ſich, die nun, in die feinſten Gasperlen zerſtoben, ſich dem Waſſer mittheilt. Gleichzeitig wird dadurch das Waſſer in dem ganzen Becken in Bewegung geſetzt; das überflüſſige Waſſer fließt ab. Von den ſechs in einer Reihe befindlichen Becken haben die beiden mittleren den höchſten Waſſerſtand. Der Ueber⸗ ſchuß fließt in das ſeitlich daran ſtoßende, von dieſem in das äußere Becken der Reihe und dann in Reſervebecken, die dem Publikum nicht ſichtbar ſind. Hier können ſich nun ſchon Schmutztheil⸗ chen, die im Waſſer ſchwimmen, abſetzen; die vollſtändige Ablagerung derſelben geſchieht erſt im Tiefreſervoir, das unterhalb des Aquariengebäudes liegt und in welches das Waſſer von den Re⸗ ſervebecken aus hinabläuft. Die völlige Dunkelheit, die in demſelben herrſcht, thut dem Seewaſſer weitere gute Dienſte; in Folge derſelben ſterben die Keime der läſtigen Algen ab, die, wenn ſie in allzu großer Menge auftreten, ein Aquarium nicht gerade zieren. Aus dem Tiefreſervoir hebt dann eine kleine Gaskraftmaſchine das Waſſer in ein Hochreſervoir und von dieſem ſtrömt es wieder mit einer Fallhöhe von 1,5m in die einzelnen Becken ein, um von Neuem den beſchrie⸗ benen Lauf zu beginnen.

Nächſt dem Luftgehalt iſt von ganz hervorragender Bedeutung die Temperatur des Waſſers. Große Wärme gefährdet leicht das Leben der Waſſerbewohner und es muß daher bei Anlage eines Aquariums ganz beſonders darauf geachtet werden, daß man günſtige Vorbedingungen für die Wärmeverhältniſſe deſſelben ſchafft. Zwiſchen welchen Grenzen die Temperaturen ſich bewegen dürfen, dafür giebt eine Betrachtung der Wärmeverhältniſſe der Meere, denen die Aquarienthiere entſtammen, einen Anhalt. Die Jahresmittel für die deutſchen Beobachtungsſtationen ſchwanken bei dem Oberflächenwaſſer der Oſtſee zwiſchen 8,4⁰ C.(Sonderburg) und 9,6⁰ C.(Kieler Bucht), bei dem der Nordſee zwiſchen 9 C.(Liſt auf Sylt) und 9,9 C.(Helgoland). Wichtiger aber als die Kenntniß der Jahresmittel iſt, eben wegen der Gefährlichkeit hoher Temperaturen, die Kennt⸗ niß der Maximal-Temperatur, die im Laufe eines Jahres erreicht wird; dieſelbe war in den Jahren 18741876 für die Oſtſee(Oberflächenwaſſer):

Sonderbug.... 20,30 E.

Schleswig... 25,00°

Kieler Bucht... 23,10

Warnemünde........ 20,30

Neufahrwaſſer... 227,80

Für die Nordſee: Liſt auf Sylt.. 23,100

en Helgoland. 1.. er. 3t19,20

7 Wilhelmshaven...... 19,70

Borkum..20,40