Aufsatz 
Das Aquarium des Zoologischen Gartens zu Franfurt am Main
Entstehung
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Oſtſeethiere würden alſo, in Nordſeewaſſer geſetzt, was den Salzgehalt anlangt, weſentlich andere Bedingungen vorfinden. Enthält ein Aquarium das kräftige Waſſer der Nordſee, ſo wird es in Bezug auf den Salzgehalt empfindliche Thiere der Oſtſee nicht lange beherbergen können; manche Thiere würden ſich allerdings an dieſen Wechſel gewöhnen, giebt es doch eine ganze Anzahl Fiſche, die einen Theil ihres Lebens in der See, einen andern im Süßwaſſer zubringen. Der Stichling verträgt ſogar einen jähen Wechſel; man kann ihn direct aus dem Süßwaſſer in Seewaſſer und wiederum aus Seewaſſer in Süßwaſſer ſetzen, ohne daß es ihm ſchadet, aber ſolche Ausnahmen ſind nicht maßgebend. Ein Aquarium, das, wie das hieſige, Thiere aus verſchiedenen Meeren, aus der Oſt⸗ ſee, der Nordſee, dem atlantiſchen Ocean und dem Mittelmeer bezieht, wird am meiſten Ausſicht haben, in dieſer Hinſicht den Anforderungen der verſchiedenen Thiere zu genügen, wenn das Waſſer des⸗ ſelben nicht nach einem extremen Fall zuſammengeſetzt iſt, ſondern einen mittleren Salzgehalt hat. Nach den täglichen Meſſungen ſchwankte das ſpecifiſche Gewicht des Seewaſſers in unſerm Aqua⸗ rium im vergangenen Jahre zwiſchen 1,0212 und 1,0230, Schwankungen, die weſentlich den Tem⸗ peraturveränderungen zuzuſchreiben ſind. Im Laufe der Jahre wird man beobachten, daß der Salzgehalt ſcheinbar zunimmt; es iſt dies aber nur die Folge von einer Abnahme des Waſſers durch die ſtets vor ſich gehende Verdunſtung. Dieſem Uebelſtande läßt ſich aber leicht durch Zu⸗ ſatz von reinem Waſſer abhelfen.

Viel empfindlicher aber als durch eine Schwankung im Salzgehalt werden die Waſſerthiere durch Veränderungen im Luftgehalt des Waſſers berührt. Jegliches Waſſer enthält Luft aufgelöſ't und dieſe Luft, die etwas ſauerſtoffreicher als die atmoſphäriſche Luft iſt, dient den Kiementhieren zum Athmen. Sie entziehen derſelben den Sauerſtoff und athmen Kohlenſäure aus; dieſe löſtt ſich im Waſſer. Dadurch wird das Waſſer zum Athmen untauglich, viel mehr aber geſchieht dies noch durch die in demſelben faulenden Subſtanzen. Bei der Fäulniß bilden ſich aus den abgeſtorbenen Thieren und Pflanzen, ſowie aus den Abgängen der Thiere Gaſe: Kohlenſäure, Kohlenwaſſer⸗ ſtoffe, Schwefelwaſſerſtoff, und dieſe verpeſten geradezu, wenn ſie überhand nehmen, das Waſſer. Solches mit ſchädlichen Gaſen beladene Waſſer kann aber leicht wieder zu friſchem, mit athembarer Luft erfülltem werden, nämlich durch bloße Berührung mit reiner Luft; es gibt dann die ſchäd⸗ lichen Gaſe an die Luft ab und nimmt den ihm fehlenden Seuerſtoff aus derſelben wieder auf. Dieſes wird um ſo ſchneller geſchehen, je größer die Oberfläche der Waſſermaſſe iſt oder je öfter durch Bewegung alle Theile derſelben an die Oberfläche befördert werden. Das Waſſer kann aber auch noch auf eine andere Weiſe erfriſcht werden, nämlich durch die Lebensthätigkeit von Pflanzen. Letztere bedürfen zu ihrem Gedeihen jenes Gaſes, das das Leben der Thiere bedroht, der Kohlen⸗ ſäure; ſie athmen dieſelbe ein und geben Sauerſtoff, jenen Unterhalter des Athmungsproceſſes der Thiere, von ſich. Ein kleines Süßwaſſer⸗Aquarium kann man leicht ſo einrichten, daß die Thier⸗ und Pflanzenwelt deſſelben ſich hinſichtlich des Athembedürfniſſes gegenſeitig erhält; bei einem Seewaſſer⸗Aquarium iſt das aber viel ſchwieriger. Soweit die Erfahrung des Verfaſſers reicht, hat man noch keine Seepflanzen gefunden, die ſolche Dienſte leiſten wie Valisneria oder Elodea für das Süßwaſſer⸗Aquarium. Ganz ohne weiteres Zuthun wird ſich zwar in jedem Seewaſſer⸗Aquarium, das dem Lichte ausgeſetzt iſt, eine Menge kleiner Algen einſtellen, die bei Sonnenſchein durch die von ihnen aufperlenden Luftbläschen ſogar dem Auge zu erkennen geben, welch kleine Sauerſtofffabriken ſie ſind.

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