— 2—
wohnern des Aquariums beſchäftigen, zunächſt lernen, durch welche Einrichtungen es überhaupt erreicht wird, dieſe Aufgabe zu löſen. Was durch ſämmtliche Einrichtungen zu erſtreben iſt, liegt klar zu Tage; es kommt darauf an, den Bewohnern des Meeres möglichſt dieſelben Bedingungen im Gefangenleben zu bieten wie die, unter denen ſie in der Natur leben. Je beſſer es gelingt, in einem Aquarium die natürlichen Exiſtenzbedingungen der Thiere nachzuahmen, deſto beſſer werden ſie gedeihen und ein um ſo getreueres Bild werden wir von ihrem Thun und Treiben gewinnen.
Zu allernächſt kommt ſelbſtverſtändlich die Qualität des Elementes, in dem die Thiere leben ſollen, in Betracht. Das Seewaſſer, das ſich bekanntlich durch ſeinen bittern, ſalzigen Geſchmack von dem Waſſer der Flüſſe und Teiche unterſcheidet, enthält eine Anzahl feſter Stoffe gelöſt, die ihm eben dieſen Geſchmack verleihen; es enthält vorzüglich Chlornatrium, Chlorkalium, Chlor⸗ magneſium, Bromnatrium, ſchwefelſaures Magneſium, ſchwefelſaures Calcium und kohlenſaures Calcium. Am einfachſten erſcheint es nun offenbar, zur Füllung der Aquarien natürliches Seewaſſer zu verwenden, und in den meiſten Aquarien anderer Städte iſt dies auch geſchehen. Die an der See gelegenen, in Brighton, Neapel und Newyork beziehen ihr Waſſer durch ein Pumpwerk direct aus der See, wobei nur der eine Uebelſtand ſich bemerkbar macht, daß das Waſſer nahe der Küſte nicht immer ſehr klar iſt; andere Aquarien, wie die in Hamburg, Leipzig, Paris und Lon⸗ don enthalten Seewaſſer, das meiſtens in einiger Entfernung von der Küſte und in größerer Tiefe dem Ocean entnommen iſt. Es erſcheint aber auch von vornherein, da wir ja die chemiſche Zu⸗ ſammenſetzung des Seewaſſers kennen, nicht unmöglich, künſtlich ſolches herzuſtellen. Man hat dies in der That verſucht und zwar mit großem Erfolge. Die Aquarien in Berlin und Wien, ſowie das hieſige enthalten künſtliches Seewaſſer und, nach den Sterblichkeitsverhältniſſen in dem hie⸗ ſigen zu urtheilen, ſcheint daſſelbe vollſtändig geeignet zu ſein, das natürliche zu erſetzen.
Von beſonderer Wichtigkeit in Betreff des Salzgehalts iſt die Größe deſſelben. Dieſelbe iſt in den verſchiedenen Theilen des Oceans durchaus nicht die gleiche; das offene Meer weiſt zwar keine großen Unterſchiede auf, die Binnenmeere aber, die von dem Ocean mehr oder weniger ab⸗ geſchnürten Glieder deſſelben, zeigen, zumal wenn viele Flüſſe ihr ſüßes Waſſer in dieſelben er⸗ gießen, große Differenzen. Man ſtellt die Größe des Salzgehaltes am ſchnellſten feſt, indem man das ſpecifiſche Gewicht des Seewaſſers mit Hülfe des Aräometers mißt; je größer der Salzgehalt, deſto größer natürlich das ſpecifiſche Gewicht. So iſt z. B. das ſpecifiſche Gewicht des Waſſers der Nordſee im Jahresmittel(d. h. die Summe der täglich ein Jahr hindurch beobachteten ſpecifiſchen Gewichte dividirt durch 365) bei
Liſt auf Sylt...... 1,0235 Helgoland...... 1,0255 Wilhelmshaven........ 1,0249 in der Oſtſee bei Hela..... 1,0057 Lohme auf Rügen....... 1,0071 Travemünde........ 1,0111 Kieler Bucht........ 1,0128 Sonderburg......... 1,0150
im adriatiſchen Meer...... 1,0280


