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An dem Privatunterricht im Zeichnen, der in wöchentlich 2 Stunden im Schullokale ertheilt wurde, nahmen 19 Schüler aus Klaſſe II— VII Antheil. Sonſtiger Privatunterricht betraf hauptſächlich nur die Muſik, wozu der Ort in dem Muſik⸗ und Geſanglehrer der Anſtalt, den Herrn Wagner und Weppelmann, ſowie in dem Privat⸗ muſiklehrer Herrn Spieß und dem Elementarlehrer H. Birkenbibl reichliche Gelegenheit bot, die auch vielfach benutzt wurde.
Die beſonderen Geſangchöre endlich, die unter Leitung des Geſanglehrers Hrn. Weppelmann größere ein⸗ und mehrſtimmige Geſänge einübten, und dieſelben bei feierlichen Gelegenheiten in Schule und Kirche vortrugen, waren gebildet bei dem 2. Sängerchor aus Schülern der Klaſſe III— VII, bei dem 1. Chore aus Primanern und Secundanern, mit Juziehung von einzelnen guten Stimmen aus III und IV. In der Regel wurden wöchentlich 3 Uebungeſtunden für ſie gebalten.
C. Aeſthetiſche Bildung.
Der Abgang beſonderer Bildungsmittel für Geſchmack und Anſtand, wie er einer kleinen Provinzialſtadt eigenthümlich iſt, und in früheren Berichten erwähnt wurde, beſtand auch in dieſem Schuljahre. Alles, wodurch er erſetzt werden kann, wie Muſik⸗, Geſang⸗ und Zeichnen⸗ unterricht, Verauſtaltung von Concerten und Schulfeierlichkeiten, Betheiligung der Gymnaſiaſten an bildenden Kunſtproductionen, und vor Allem die Einwirkung des gebildeten Lehrers in Wort und Beiſpiel wurde zu dieſem Zwecke gewiſſenhaft benutzt. Daß wir für Bildung zum äußeren Anſtand die wichtige Gymnaſtik, wie oben erwähnt, ſo ganz entbehren, und auch ein Curſus im Reiten und Tanzen dieſes Jahr nicht zu Stande kam, muß um ſo mehr bedauert werden, je unergiebiger die anderweitigen Erſatzmittel des Ortes ſind.
D. Disciplin.
Zur Heranbildung und Erhaltung eines beſſern Geiſtes unter unſern Schülern im Bereich der Schulräume, wie außerhalb derſelben, wurden die vorhandenen Mittel pflichtmäßig benutzt, und dies nicht ohne Erfolg. Jugendliche Unarten, als Aeußerungen von Muthwillen und Leicht⸗ ſinn, kamen vor, und ſind in den Strafverzeichniſſen nachgewieſen; gröbere Exceſſe und Erweiſe von moraliſcher Verderbtheit kamen nicht vor. Der ſittliche Geiſt, der die Lehrer beherrſcht, findet in den Schülern ſein Gegenbild in dem Maße, wie derſelbe auf ſie einwirkt, und wird dieſer Geiſt von jeder Jugendbildungsanſtalt ſtets das wichtigſte Moment bleiben, das auch allen andern Einwirkungen zum Beſſeren erſt den Boden bereitet und ihm Erfolg ſichert.
Zu dieſen beſonderen Mitteln gehört vor Allem die Weckung und Pflege wahrer lauterer Religioſität, die durch die unermüdliche Hingebung und Sorgfalt der Religionslehrer in Schule und Kirche auf's wirkſamſte gefördert und von den meiſten übrigen Lehrern des Gymnaſiums in Lehre und Leben nachdrücklich unterſtützt wird. Ohne ſorgfältige Pflege des religiöſen Geiſtes, unter Heranziehung aller geeigneten Mittel, wozu vor Allem der Gottesdienſt gehört, kann eine Anſtalt für humane Bildung ihren Zweck nicht erreichen. 3
Das Verhalten der Schüler in den Schulräumen wird von ſämmtlichen Lehrern ſorgfältig überwacht, die es ſich zu dieſem Zwecke nicht verdrießen laſſen, eine entſprechende Zeit vor Be⸗ ginn des Unterrichts, wo die Schüler, ſich ſelbſt überlaſſen, zu Muthwillen und Unarten beſonders neigen, im Locale anweſend zu ſein, und beim Wechſel der Unterrichtsſtunden wie in den Pauſen ſie im Auge zu behalten. Außerhalb der Schule wird Geſetz und Ordnung aufrecht erhalten durch geregelte Quartierbeſuche und Benehmen mit den Eltern und Pflegegebern, die hierbei eine Unterſtützung von Seiten der Schule wünſchen oder erfordern.
E. Phyſiſches Wohl.
Störungen des Unterrichts durch Krankheitsfälle von Seiten der Lehrer und Schüler waren,


