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pedellen Keßler, wobei abwechſelnd die Gymnaſiallehrer die disciplinariſche Aufſicht führten, und die Befolgung des dafür gegebenen Reglements überwachten. Bisher hatten wir weder Unſittlichkeit noch Unglücksfälle bei dieſen Uebungen zu beklagen.
Bemerkungen.
Auf die Privatlectüre in den 4 Abtheilungen der beiden oberſten Klaſſen wurde, wie bisher, ein beſonderes Ge⸗ wicht gelegt, und wurde dieſelbe in den beiden claſſiſchen Sprachen und im Deutſchen von den betreffenden Lehrern ſachgemäß eingerichtet und gewiſſenhaft geleitet. Das Materielle iſt in obigem Verzeichniſſe bei dem Leſeſtoff eut⸗ balten; die bei der Behandlung befolgten Grundſätze find im Programme des hieſigen Gymnaſiums von 1855 S. 34 ausführlicher entwickelt und bis jetzt dieſelben geblieben. Der wohlthätige Einfluß dieſer Privatlectüre auf die Bil⸗ dung dieſer älteren Schüler nach Wiſſen, Denken und Sprechen, der in der Schulwelt von competenten Beurtheilern nicht leicht mehr beſtritten werden möchte, hat ſich auch bei uns in dem Maße erwieſen, als die Mühe und Sorgſalt des leitenden Lehrers in dem Talente und redlichen Willen der Schüler den geeigneten Boden fand. Daß die Letzteren dadurch überlaſtet werden, wird verhütet durch die vom Ordinarius ausgebende oder mit ihm beſprochene Wahl der Leſepenſa nach Umfang und Schwierigkeit und dürfte überhaupt in der Jugendwelt nur ein ſehr relativer Begriff ſein. Und daß nicht anderweitigen Pfichtleiſtungen der Schüler im Unterrichtsgebiete die nöthige Zeit entzogen werde, liegt, außer dieſer Bemeſſung, insbeſondere in dem Verfahren des für ſeinen Unterrichtsgegenſtand anregenden und begeiſternden Lehrers.
Die Geſuche um Befreiung vom griechiſchen Sprachunterrichte von Seiten ſolcher Schüler, die ſich einem tech⸗ niſchen Berufe widmen wollen, mehren ſich in neuerer Zeit in dem Verhältniſſe, wie die Ausſichten auf eine ſelbſt⸗ ſtändige Exiſtenz im Staatsdienſte geringer, die Anziehung induſtrieller Verſorgung ſicherer und größer wird. Unter⸗ ſtützen auch hierin die Eltern nur zu bereitwillig ihre Söhne, die zum großen Theile nur die Anforderungen ſcheuen, die das Griechiſche an ihren Fleiß ſtellt, und die in der Regel nicht bemeſſen können, daß es ſich hier nicht um die concrete Verwerthung einer Sprache im ſpäteren Berufe, ſondern um die durch das Erlernen derſelben gebildete und erſtarkte Geiſteskraft im Allgemeinen handelt, wie dies ja auch bei dem Lateiniſchen der Fall iſt; ſo iſt doch eine ſolche in der Zeit begründete Richtung der Studien nicht mehr zurückzuweiſen. So lauge alſo die humaniſtiſchen Gymnaſien zugleich dieſe Bildungsform vertreten ſollen, müſſen ſie auch Vorſorge treffen, ſoweit ihr ſpecifiſcher Cha⸗ rakter dies erlaubt, daß der Ausfall dieſes wirkſamen Bildungsmittels durch entſprechenden Unterricht einigermaßen erſetzt wird, damit der Ausfall an allgemeiner Geiſtesbildung, der ganz niemals beſeitigt werden kann, nicht zu groß werde. Es wurden darum am hieſigen Gymnafium parallel mit dieſen griechiſchen Stunden in den zunächſt höhern oder niedern Klaſſen ſolche Gegenſtände gelegt, woran dieſe ſogenaunten Nichtgriechen mit einigem Vortheile ſich be⸗ theiligen konnten, und war der betreffende Lehrer darauf bedacht, ſie in volle Mitthätigkeit dabei mit ſeinen Klaſſen⸗ chülern zu ziehen. Daneben übernahmen einzelne Lehrer, in oder außer ihrem wöchentlichen Lehrpenſum, beſondere Unterrichtsſtunden in der deutſchen oder franzöſiſchen Sprache, in Geographie, Naturwiſſenſchaft, Mathematik und Zeichnen, ſoweit dies möglich war. Im Ganzen waren in dieſem Schuljahre vom Erlernen des Griechiſchen befreit 10 Schüler aus II— IV, wovon jedoch 7 allein auf IV kommen, bei welchen der künftige Lebensberuf noch kaum mit einiger Verläßlichkeit voraus beſtimmt werden kann.
Als beſonderer Theil des Religionsunterrichtes, der nicht in vorſtehendem Verzeichniſſe aufgenommen iſt, erſcheint der Confirmandenunterricht für die Schüler der beiden chriſtlichen Confeſſionen, die zum erſten Male zum heil. Abend⸗ mahle gehen ſollen. In dem behandelten Schuljahre betrug die Zahl dieſer Confirmanden aus dem Gymnaſium im Ganzen 14, und zwar 11 Katholiken und 3 evangeliſche Schüler. Den betreffenden Unterricht beſorgten für Erſtere von der Faſtenzeit an in 4 wöchentlichen Stunden, zugleich mit den betreffenden Schülern aus der Elementar⸗ ſchule Herr Stadtpfarrer Hartmann, und für Letztere ebenſo vom Beginn des Winterſemeſters an der Religionslehrer des Gymnaſiums Herr Pfarrer Schellenberg.
Bei dem Unterrichte im Hebräiſchen befanden ſich im Ganzen 25 Schüler aus I und II, die in 2 Abtheilungen wöchentlich je 2 Lectionen darin erhielten. In gleicher Weiſe war auch der Unterricht im Engliſchen abgetheilt, der in gleich vielen Stunden für Schüler der 4 oberen Klaſſen von dem Fachlehrer ertheilt wurde, und zwar im Sommer an 8, im Winter an 10 Schüler.
Die Nachhilfeſtunden, wodurch einerſeits die Schüler der VII zur Anfertigung ihrer Schularbeiten angeleitet und darin unterſtützt wurden, andrerſeits für Schüler der oberen und mittleren Klaſſen ein beſonderer Schreibunter⸗ richt ertheilt wurde, waren im Sommerſemeſter je 2, welche aber im Winter, wo ohnehin die Klaſſenarbeiten den Schüler mehr in Anſpruch nehmen, auf wöchentlich je 1 ermäßigt werden konnten. Zu den außerordentlichen Schreibſtunden waren im Sommer 22 Schüler aus Kl. 1I— IV verpflichtet; im Winter verblieben davon 10 bei dieſem Unterrichte, darunter aber 3 Tertianer freiwillig.


