18
Jahresbericht über den Zuſtand des Gymnaſiums im Schuljahr 1856— 57.
I. Lehrverfaſſung. A. Lehrercollegium.
Inſoferne die glückliche Löſung einer Jahresaufgabe für Unterricht und Erziehung am Gymnaſium bedingt iſt durch den bleibenden Beſtand des Lehrercollegiums, das die Aufgabe übernommen und, im vollen Einverſtändniſſe über die zu ihrer Löſung geforderten Bedingungen, durchgeführt hat, dürfen wir uns Glück wünſchen. Das Perſonal der Lehrer iſt bis zur Ab⸗ faſſung dieſer Schulnachrichten unverändert geblieben, und war die einheitliche Durchführung des vorgeſchriebenen Unterrichtsplanes dadurch ermöglicht und unterſtützt.
Das Lehrercollegium in dieſer Periode bildeten:
1) Director Regierungsrath Kreizner, Ordinarius in I;
2) Profeſſor H. L. Schmitt, Ordinarius in II;
3) Profeſſor J. Bellinger, Ordinarius in III;
4) Profeſſor Dr. Sporer, Ordinarius in IV;
5) Außerordentl. Profeſſor H. Barbieux, Fachlehrer für Franzöſiſch und Engliſch; 6) Conrector W. Bill, Fachlehrer für Mathematik und Naturwiſſenſchaften;
7) Conrector M. Meiſter, Ordinarius in V;
8) Conrector H. Colombel, Ordinarius in VII;
9) Conrector Dr. F. H. Deutſchmann;
10) Collaborator C. Bogler, Ordinarius in VI;
11) Elementarlehrer Ph. Weppelmann, Hilfs⸗ u. Fachlehrer für Geſang⸗ u. Schreibunterricht; 12) Maler L. Diefenbach, Zeichenlehrer;
13) Elementarlehrer E. Wagner, Muſiklehrer.
Den Religionsunterricht ertheilten für die katholiſchen Schüler der Prieſter Herr Pb. Schmelzeis, und fuͤr die evangeliſchen Schuͤler Herr Pfarrer H. Schellenberg. Die wenigen Iſraeliten wurden von dem Bezirksrabbiner Herrn Dr. Wormſer gemeinſchaftlich mit den Kindern der iſraelitiſchen Gemeinde unterrichtet.
Zur Abhaltung ſeines vorſchriftsmäßigen Probecurſus wurde, durch Verfügung vom 31. Januar 1857, der Lehramtscandidat Joſ. Hetzel von Wiesbaden dem hieſigen Gymnaſium zugewieſen und trat am 17. Februar d. J. ſeine Thätigkeit an demſelben an. Ueber ſeine vor⸗ angehenden Lebens⸗ und Bildungsverhältniſſe hat er ſelbſt folgende Angabe gemacht:
„Friedr. Joſ. Hetzel iſt geboren zu Wiesbaden am 2. April 1829, trat zu Oſtern 1839 in das Pädagogium ſeiner Vaterſtadt ein, wurde mit Beginn des Sommerhalbjahrs 1843 in das Gymnaſium zu Weilburg aufgenommen, welches er bis zu Pfingſten 1844, wo eine gleiche Anſtalt in Wiesbaden eröffnet wurde, beſuchte. Nachdem er von da an bis zu Oſtern 1847 in ſeiner Heimath den übrigen Theil des Gymnaſtalcurſus durchlaufen hatte, bezog er die Uni verſität Gießen, wo er ſich während zwei Jahren mit theologiſchen und philologiſchen, ein weiteres Semeſter ausſchließlich mit philologiſchen Studien beſchäftigte. Vom Herbſte 1849 an verſah er fünf Jahre eine Hauslehrerſtelle. Nachdem er darauf von Anfange des Winters 1854— 55 bis gegen Oſtern 1856 auf der Univerſität Göttingen ſich einem weiteren Studium der Philologie gewidmet hatte, unterzog er ſich im Herbſte des vorigen Jahres der philologiſchen Staatsprüfung, in deren Folge er unter die geprüften Candidaten der Philologie aufgenommen und zur Abhaltung ſeines Probecurſus an das hieſige Gymnaſium berufen wurde.“
Die Thätigkeit des Lehrercollegiums im Einzelnen erhellt aus der Beilage 2 beigegebenen Ueberſicht. Sie war auch dieſes Jahr wieder erheblich unterbrochen bei den Herrn Profeſſor Bellinger und Religionslehrer Pfarrer Schellenberg, die als Mitglieder des Landtages


