Aufsatz 
Das Gymnasialseminar zu Jena : ein Gutachten / von G. Richter
Entstehung
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nicht völlig unberückſichtigt, damit nicht der Überblick über den Aufbau des Werkes vereitelt wird. Da⸗ rum erſcheint auch das erſte und letzte Buch nicht entbehrlich. Jenes enthält außer der vortrefflichen Einleitung in die Geſchichte des ſiebzehnten Jahrhunderts den böhmiſchen Krieg, der von den Zeitge⸗ noſſen bereits als ein warnendes Beiſpiel der Überhebung und Verblendung(ö60418 und Ern) aufge⸗ faßt wurde ¹) und nach Schillers Darſtellung wie eine Tragödie verläuft, wie denn überhaupt die Ele⸗ mente des Tragiſchen an vielen Stellen ſich bieten und für die ſpätere Ausgeſtaltung des Begriffs be⸗ tont werden können. Das letzte Buch aber mag man ſchon darum nicht miſſen, weil das Bedürfnis nach einem rechten Abſchluß vorhanden iſt und gewiß niemand auf die Beſprechung des heißerſehnten Friedens verzichten mag. Das Aufzeigen und Herausarbeiten der Kompoſition bildet ſomit eine Haupt⸗ aufgabe des Unterrichts, zumal Schiller auf eine äußere Gliederung des Stoffes verzichtet hat, wenn wir von der Einteilung in fünf Bücher abſehen. Die Lektüre ſelbſt fällt der häuslichen Vorbereitung anheim, bei der die Schüler ſich gar bald gewöhnen alles Neue und Unverſtändliche anzumerken, um es dann bei der Beſprechung in der Klaſſe auch ihrerſeits zur Sprache zu bringen. Nur wirklich bedeu⸗ tende Stellen können in der Klaſſe geleſen werden, da nun einmal dem deutſchen Unterricht die Zeit ſo karg zugemeſſen iſt und die Beſprechung des Stoffes ihr Recht verlangt.

Dieſe Beſprechung ſieht ihre Aufgabe darin, eine Reihe von Themen, wie ſie ſich im Verlaufe der Erzählung bieten, aufzugreifen, im Auge zu behalten, alle darauf bezüglichen Thatſachen zu ſammeln, einzureihen, zuletzt einen Abſchluß herbeizuführen durch eine zuſammenfaſſende Darſtellung, die einen ſchriftlichen, häufiger einen mündlichen Aufſatz abgiebt. Sehr mannigfaltige Themen ergeben ſich für die Beſprechung, wenn beſtändig zuerſt der Blick auf den Schauplatz der geſchichtlichen Vorgänge gelenkt wird. Hierbei wird eine Anzahl Städtebilder gewonnen, unter denen einzelne mit Hilfe der ſchildern⸗ den Zuthaten des Lehrers und zugänglicher Illuſtrationen genauer ausgearbeitet werden können. Am meiſten empfiehlt ſich hierzu Nürnberg, deſſen Bekanntſchaft ſpäterhin bei der Behandlung von Hans Sachs und Luthers Zeitalter wertvoll wird ²). Unter den Schlachtfeldern verdient das von Lützen am meiſten durch Bilder, Wort und Zeichnungen anſchaulich gemacht zu werden. Groß iſt auch die Zahl der Flußübergänge u. a.

Aus der Menge der Perſonen gilt es die wirklich bedeutenden, die auch von Schiller beim Eintritt in die Handlung oder beim Ausſcheiden einer Charakterſchilderung gewürdigt werden, beſtändig im Auge zu behalten. Unter den Fürſtengeſtalten und Feldherrn iſt für die Schüler Jenas Bernhard von Weimar von beſonderem Intereſſe. Über die Truppengattungen und Waffen laſſen ſich viele Be⸗ obachtungen im Verlaufe der Erzählung machen, die zum Schluſſe durch geringe Ergänzungen und einige Bilder unterſtützt eine Art Überblick des damaligen Kriegsweſens ergeben.

Die Handlung iſt durchweg kriegeriſch. Zahlreich und doch immer durch Hervorhebung be⸗ ſonderer Merkmale unterſcheidbar ſind die Schlachten, Überfälle, Belagerungen, Kapitulationen, Bünd⸗ niſſe, Lagerſcenen. Ein beſonders ergiebiges Thema iſt die Beobachtung der Reichsſtädte in ihrem Verhalten zu Guſtav Adolf; auch läßt ſich vielfach aus Schillers Erzählung erkennen, welche Folgen der Krieg auf den verſchiedenen Gebieten des Kulturlebens für Deutſchland gehabt hat.

1) Vgl. das vielfach wieder gedruckte und für die Belebung des Unterrichts brauchbare Flugblatt aus dem Jahre 1621:Deß geweſten Pfaltzgrafen Glück und Unglück.

2) Eine grundſätzlich mit unſerm Verfahren übereinſtimmende Anſicht verlautete kürzlich in dem beachtens⸗ werten Aufſatze von Dr. Alfred Gotthold Meyer überGeſchichtsunterricht und Kulturgeſchichte(Beilage zur Münchener Allgemeinen Zeitung 1890 N. 358), wo es u. a. heißt:ſo unerläßlich es iſt, daß die NamenAthen undRom gleich Zauberformeln farbenprächtige Bilder vor der jugendlichen Phantaſie erſtehen laſſen, ſo wünſchens⸗ wert bleibt es, daß die WorteNürnberg,Augsburg,Speyer', im deutſchen Schüler nicht häufig nur auswendig gelernte Jahreszahlen wachrufen. 3