25
viel Leſen auch nicht, ſondern gut Ding und oft leſen, wie wenig es iſt, das macht gelehrt in der Schrift und fromm dazu.“ ¹)
Freilich iſt die Anzahl ſolcher guten Bücher ſehr gering. Daß man aber recht daran gethan hat, Schillers Geſchichte des dreißigjährigen Krieges für ein gutes Buch in dieſem Sinne zu halten ²), dürfte kaum beſtritten werden; denn die Vorzüge desſelben ſind nicht gemeiner Art. Der große Dichter hat dem Werke das Gepräge ſeines Genius verliehen, und wir haben keine Veranlaſſung das freund⸗ ſchaftliche Lob Körners einzuſchränken, der 1791 an Schiller ſchrieb:„Was Dir beſonders gelungen iſt, ſcheint mir die Anordnung und Stellung der Begebenheiten, wodurch Du Licht und Zu⸗ ſammenhang in das Ganze gebracht haſt. Dies war gerade bei einem ſo verworrenen und zerſtückelten Stoffe nicht leicht, und ohne dieſe Kunſt der Darſtellung mußte das Intereſſe notwendig erſchlaffen. Auch fehlt es nicht an einzelnen ausgeführteren Gemälden von Gegenſtänden, bei denen man gern verweilt, an ſchicklich gewählten Ruhepunkten, die die überſicht des Ganzen befördern, an eingeſtreuten Bemerkungen, die zum Nachdenken Stoff geben, ohne die Erzählung aufzuhalten. Kurz, dies Produkt wird künftig einmal wenig Feile bedürfen, um als hiſtoriſches Kunſt⸗ werk unter Deine erſten Arbeiten zu gehören. Der Stil iſt ungeſchmückter als in der Geſchichte der Niederlande, erhebt ſich aber doch, ſo wie es der Inhalt erlaubt“. 4
Eben dieſer Inhalt iſt es aber auch, der uns das Werk für den Unterricht noch beſonders empfiehlt. Wir rechnen vom Abſchluß des großen Krieges die neue Zeit, finden aber auch im Verlaufe desſelben noch Gelegenheit genug zurückzublicken auf mittelalterliche Einrichtungen und Lebensformen, ja der dreißigjährige Krieg ſtellt ſelbſt einen verhängnisvollen Rückfall in die Wildheit verfloſſener Jahr⸗ hunderte dar. Daß ſomit zu der Bekanntſchaft mit den Ereigniſſen und Helden des ſiebzehnten Jahr⸗ hunderts durch den Ausblick auf frühere Zeiten eine Fülle kulturgeſchichtlicher Kenntniſſe hinzukommt, halten wir für einen ganz beſondern Vorzug des Werkes. Denn gerade dieſe fordern die erläuternde, ordnende und verwertende Thätigkeit des Unterrichts heraus, ſie laden dazu ein die Erzählung zu an⸗ dern hiſtoriſchen Fächern in mannigfaltige Beziehungen zu bringen, welche mitunter bis zur Germania des Tacitus zurückgehen können, ja Schiller hat ſelbſt dafür geſorgt, daß es an Verknüpfung mit dem Altertum, ſogar mit den homeriſchen Helden nicht fehlt. Das Buch muß alſo gerade für Zöglinge eines Gymnaſiums höchſt willkommen ſein und zwar ganz beſonders noch in unſerer Stadt Jena, wo wir in der Lage ſind den Schülern das Haus, ja das Zimmer zu zeigen, in welchem Schiller das Werk verfaßt hat. Für keine Klaſſe aber erweiſt es ſich geeigneter als für die Obertertia; denn wie Schillers Darſtellung, die für Göſchens„Hiſtoriſchen Kalender für Damen“ berechnet war, der Faſſungs⸗ kraft dieſer Stufe ſehr wohl entſpricht, ſo fügt ſich auch der Inhalt zweckmäßig in den Unterrichtsplan der Klaſſe ein. Dem Geſchichtsunterricht, welcher dieſelbe Zeit behandelt und für die geſamte deutſche Geſchichte durch die Fortſetzung bis 1871 einen Abſchluß liefert, tritt hier der deutſche Unterricht er⸗ gänzend zur Seite. Das Kriegsweſen tritt in Beziehung zum griechiſchen und römiſchen Heeresweſen, was auf der gleichen Stufe durch Xenophons Anabaſis und Caeſars Galliſchen Krieg veranſchaulicht wird. Ja auch für den Religionsunterricht liefert die Periode der zweiten Blüte des Kirchenliedes und der Held Guſtav Adolf manchen Ertrag, ſodaß dieſer Stoff der Konzentration des Unterrichts die beſten Dienſte leiſtet.
Der Zweck, der uns bei der Wahl des Buches leitete, wird auch das Verfahren im Unterricht beſtimmen müſſen. Danach gilt es vor allem, das Buch vollſtändig durchzuleſen. Wenn einzelne Ab⸗ ſchnitte minder wichtig und anziehend erſcheinen, ſo treten ſie in der Behandlung zurück, bleiben aber
1) Luther, An den chriſtlichen Adel. Ed. Benrath. S. 71. 2) Vgl. Frick, Lehrpr. VIII, S. 70.


