Aufsatz 
Das Gymnasialseminar zu Jena : ein Gutachten / von G. Richter
Entstehung
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Ihre Herausſtellung und organiſche Verknüpfung iſt eine der weſentlichſten Aufgaben der Unter⸗ richtsarbeit.

Für den Lehrplan der beiden unteren Klaſſen kommt nun als Hauptgeſichtspunkt in Betracht, daß hier das Heimatliche und Heimatskundliche in den Mittelpunkt geſtellt iſt. Wir ſtimmen Frick darin bei, daß es nicht wohlgethan iſt, die Schüler allzufrüh und allzuunvermittelt von dem Heimatboden der heimatlich⸗vaterländiſchen Welt loszulöſen, ihn zu ausſchließlich in die fremde, ihm vielfach unverſtändliche Welt der Antike emporzureißen und dadurch an die Stelle urwüchſiger und un⸗ mittelbar wirkſamer Kräfte des Gemüts allzufrüh und in unverhältnismäßig großer Stärke die Welt der Reflexion und Abſtraktion zu ſetzen, die in das ganze Denken und Fühlen einen fremdartigen Zug hineinträgt ¹1). In dieſem Sinne war uns Meurers Pauli Sextani liber eine hochwillkommene Gabe, ein Buch, welches auf ganz naturgemäße Weiſe den Schüler in ein inneres Verhältnis zu dem fremd⸗ artigen Stoff bringt und durch ſeinen im beſten Fühlen der Jugend wurzelnden, die Macht heimatlicher Jugendeindrücke verwertenden Gehalt und durch die Sinnigkeit und gemütvolle Wärme der Darſtellung es geſtattet, vom Lateinunterricht aus die Bildung des ganzen inneren Menſchen ins Auge zu faſſen, ihn zum Mittelpunkt des Geſinnungsunterrichts zu machen. Der Unterricht in Heimats⸗ und Natur⸗ kunde ſchließt ſich dieſem Zentrum an; er verbindet ſich in Ouinta mit dem Unterricht in Geſchichte und Geographie, welcher die am latein. Leſebuch und in der Heimatskunde gewonnenen Ergebniſſe aufnimmt und weiterführt. Die deutſche Geſchichte im Rahmen der thüringiſchen tritt hier in einer Reihe typi⸗ ſcher Geſchichtsbilder in den Vordergrund unter gleichzeitiger Erweiterung der geographiſchen Grundlage, welche ſich auf alle deutſchen Gebiete ausdehnt. Ausblicke auf die römiſche Geſchichte erwachſen aus dem heimatlichen Unterricht. Schon im lateiniſchen Leſebuch der Sexta tritt die Berührung der Deutſchen mit den Römern hervor, in Quinta wird näher darauf eingegangen. Den Abſchluß des geſchichtlichen Unterrichts bildet hier ein Ueberblick über die ältere Zeit der römiſchen Geſchichte. So werden die Schüler zeitig genug auf das Volk gewieſen, mit deſſen Sprache ſie ſich beſchäftigen.

Neben der heimatkundlichen und vaterländiſchen Stoffreihe geht nun eine zweite, die von einer ganz anderen Richtung her gleichfalls in die drei großen Lebensgebiete einführen ſoll. Den Ausgangs⸗ punkt bildet hier die morgenländiſche Welt. Der Religionsunterricht gewinnt nicht nur an der anſchaulichen Behandlung der typiſchen Figuren der bibliſchen Geſchichten, zuletzt des Heilands, die Grundlagen religiöſer Erkenntnis, ſondern eröffnet auch durch Darlegung der heiligen Schauplätze die Welt des Morgenlandes und führt in die älteſten Verhältniſſe geſchichtlichen Kulturlebens ein. Daran ſchließt ſich naturgemäß die Beſchäftigung mit der vom deutſchen Leſebuch in Sexta dargebotenen Sagen⸗ und Heroenzeit der Griechen, welche der Stoff des lateiniſchen Leſebuchs in Quinta weiterführt und zu einer Reihe von Bildern aus dem geſchichtlichen Leben des Hellenenvolks erweitert. Im deutſchen Unterricht laufen alle Fäden zuſammen, die zur Behandlung ausgewählten Gedichte und Leſe⸗ ſtücke berühren ſich mit allen Seiten des Unterrichts und dienen zur Ergänzung, Vertiefung und Ver⸗ knüpfung derſelben.

Um den Schüler ſeines Vorrats inne werden zu laſſen und die gewonnenen typiſchen Ergebniſſe des Unterrichts in ihrem organiſchen Verhältnis zu ſichern, haben die Hauptlehrer der Klaſſen, in deren Hand der deutſche und lateiniſche Unterricht ruht, gegen Ende der Hauptabſchnitte des Schuljahrs in beſonderenKonzentrationsſtunden den bis dahin erarbeiteten Gewinn des geſamten Unterrichts mit den Schülern überſichtlich zu behandeln.

1) Frick, Lehrpr. XII, 24 f.

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