II. Ausführungen zum Lehrplan.
1. Syſtematiſche Zuſammenordnung der verwandten Unterrichtsſtoffe der Serta und Quinta.
Die hier folgende Zuſammenſtellung ſieht durchaus von der formalen Seite des Unterrichts ab und faßt nur ſeinen ſtofflichen Gehalt ins Auge. Sie dient dem Zweck, die auf verſchiedenen Unter⸗ richtsgebieten nebeneinander arbeitenden Lehrer mit den gleichzeitig von anderer Seite behandelten Stoffen und gewonnenen Ergebniſſen bekannt zu machen, die inneren Berührungspunkte zwiſchen den einzelnen Stoffgebieten aufzudecken und den Weg zu zeigen, auf welchem das vielfach Verſchiedene in der Seele des Schülers zur Einheit des Bewußtſeins erhoben werden kann. Denn nur ‚„ein großer und in ſeinen Teilen innigſt verknüpfter Gedankenkreis“ wird zur geiſtigen, für die Willensbildung einflußreichen Macht. Geht auch im menſchlichen Gemüt nichts ganz verloren, ſo iſt doch im Bewußtſein nur ſehr wenig zu⸗ gleich gegenwärtig und nur das„beträchtlich Starke und vielfach Verknüpfte“ tritt leicht und häufig vor die Seele ¹). Deshalb bedarf es im Unterricht beſonderer Veranſtaltungen, um die Stärke der Vorſtellungen und ihre vielſeitige Verknüpfung zu ſichern. Hierbei fällt von ſelbſt der Nachdruck auf das Gemeinſame, und nur wenn wir dieſes immer mehr herausheben und das Vereinzelte und da⸗ rum Wertloſe zurückdrängen, werden ſich die ſchädlichen Folgen des Vielerlei, was wir mit unſern Schülern treiben, vermeiden laſſen ²). Inſofern iſt die hier verſuchte Arbeit zugleich die notwendige Vovausſetzung für Geſtaltung der beſonderen Lehrpläne, weil ſie erſt die rechten Geſichtspunkte für die Stoffauswahl an die Hand giebt.
Die gegebene Zuſammenſtellung iſt in der Weiſe entſtanden, daß die von den Fachlehrern mit⸗ geteilten Unterrichtsſtoffe von mir mit Hülfe der Herren Peter und Dr. Hilgenfeld durch geeignete Aus⸗ wahl und Anordnung nach beſtimmten Geſichtspunkten in die vorliegende Form gebracht wurden. Wir bieten es in dem lebhaften Bewußtſein der einem ſolchen erſten Verſuch begreiflicherweiſe anhaftenden Mängel. Das gewählte Schema beruht auf der beſonders von Frick betonten und für die Theorie des Lehrplans verwerteten Thatſache, daß die gemeinſamen, großen Grundlagen unſerer Bildung in dem dreifachen Verhältnis des Menſchen zur Menſchheit, zur Natur und zur Gottheit wurzeln. Die⸗ jenigen Stoffe aus dieſen Gebieten, welche eine organiſche Verbindung untereinander am leichteſten er⸗ möglichen, ſind nach Fricks glücklichem Ausdruck„die typiſchen Elemente, welche das Gattungs⸗ mäßige und zugleich individuell Charakteriſtiſche in den vollkommenſten Bildern zur Erſcheinung bringen ³).“
1) Herbart, A. P. bei W. I. 348. 2) Schiller, Die einheitliche Geſtaltung und Vereinfachung des Gymnaſialunterrichts. Halle 1890. S. 20. 3) Frick, Die Möglichkeit der Einheitsſchule. Schr. d. deutſch. Einheitsſchulvereins I.


