Aufsatz 
Das Gymnasialseminar zu Jena : ein Gutachten / von G. Richter
Entstehung
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Einzelheiten ich mündlich theoretiſch begründete. Immer muß das Beſtreben beſtehen, die Theorie am konkreten Erfahrungsſtoff anſchaulich zu machen. Die begonnene Beſchäftigung mit dieſem Unterrichts⸗ zweig wird unter Leitung des Fachlehrers bis zum Schluß des Halbjahrs fortgeſetzt werden, weitere vor mir zu haltende Probelektionen ſollen folgen ¹).

3. Erſt gegen Ende des Vierteljahres konnte ich mich dem Lateinunterricht in Sexta zuwenden. Auch hier war zunächſt eine zuſammenhängende Unterrichtseinheit in einer Reihe von Muſterlektionen vorzuführen. Gewählt wurde die 4. Deklination mit den entſprechenden Stücken des Leſebuchs und mit Extemporale als Abſchluß. Um dieſen Stunden einen vorbildlichen Charakter zu ſichern, beſprach ich vorher mit dem Fachlehrer den einzuhaltenden Gang. Auch war derſelbe von mir veranlaßt worden, einigen der vorhergegangenen Stunden und Sitzungen des Seminars beizuwohnen. Auch hier waren die einzelnen Stunden von kurzen Vor⸗ und Nachbeſprechungen begleitet, denen eine zuſammenfaſſende Beſprechung in der oben erwähnten Weiſe folgte. Nach den Ferien werden ſich praktiſche Verſuche der Kandidaten anſchließen ²).

So viel von der praktiſchen Einführung in den Unterricht, ſoweit ſie im erſten Vierteljahr ge⸗ führt werden konnte. Mit derſelben haben ſich nun von Anfang an zuſammenhängende Beſprechungen allgemeiner Unterrichts⸗ und Schulfragen verbunden. Ich machte die Kandidaten zuerſt mit den äußeren Ordnungen des Schullebens und den wichtigſten Grundlagen der Schulzucht bekannt, ebenſo beſprach ich die unerläßlichſten Forderungen der Schulgeſundheitspflege(Lüftung, Heizung, Licht, Sitz und Körperhaltung, Behandlung der Kurzſichtigen und Schwerhörigen, richtige Abwechſelung der geiſtigen Thätigkeiten in den Lehrſtunden). Es genügten hier für den Anfang kurze Hinweiſe, auf welche man bei den reichlich ſich bietenden Anläſſen immer wieder zurückkommt. Alsbald bin ich zu den Regeln der didaktiſchen Formgebung übergegangen. Ein Seminariſt hatte Wiget's Schrift über die formalen Stufen inhaltlich klar zu legen ³). Dann zeigte ich an einigen Unterrichtsbeiſpielen das Verhältnis dieſer Formen zum Weſen der Sache. Ich ſuchte den Kandidaten begreiflich zu machen, daß es ſich hierbei nie und nirgends um einen ſchematiſchen Gebrauch handle, ſondern ſtets um eine aus der wechſelnden Natur des Stoffes und aus der geiſtigen Beſchaffenheit der Schüler ſich ergebende, mit ſelbſtändigem Urteil zu findende Anwendung 4). Endlich habe ich begonnen, einige beſonders wichtige Punkte der allgemeinen Pädagogik in ihrer Anwendung auf die Gymnaſialerziehung im Zuſammenhang zu erörtern: Aufgabe des erziehenden Unterrichts, durch planmäßige Pflege des Gedankenkreiſes an der Charakter⸗ bildung zu arbeiten; die geiſtigen Thätigkeiten der Vertiefung und der Beſinnung als geiſtiger Re⸗ ſpirationsprozeß u. ſ. w. Eine ſolche vorläufige Einführung in die Grundgedanken der allgemeinen Pädagogik iſt unerläßlich, damit von vornherein gewiſſe Hauptbegriffe, mit denen man fortwährend zu arbeiten hat, gewonnen werden. Die genauere Behandlung derſelben muß dann freilich von den päda⸗ gogiſchen Vorleſungen erwartet werden. Für verfehlt halte ich es dagegen, wenn die Preuß. Verord⸗ nung in§ 5 b Referate der Seminariſtenüber einzelne Punkte der allgemeinen Lehrpläne, der Prü⸗ fungs⸗Ordnungen, der Verhandlungen Preußiſcher Direktorenkonferenzen, der amtlich veröffentlichten Spezial⸗Lehrpläne höherer Schulen verlangt. Die Beurteilung ſolcher Fragen erfordert bereits eine ſehr

1) Dieſe Aufgabe iſt gegen Ende des Schurjahrs zum Abſchluß gebracht worden.

2) Die Uebungen wurden inzwiſchen auf die Quinta ausgedehnt, ſodaß die Veranſchaulichung des lateiniſchen Glementarunterrichts vor Oſtern abgeſchloſſen war.

3) Im zweiten Vierteljahr iſt auf Grund eines Referats über das Zillerſche BuchDie Regierung der Kinder über die Begriffe der Regierung und Zucht verhandelt worden.

4) Das wird nachdrücklich betont auch von Zange, Gymnaſialſeminare S. 59. und im einzelnen nachge⸗ wieſen von Frick, Lehrpr. XVI 51 f. Vergl. auch Schiller Handbuch der prakt. Pädagogik.² S. 273.