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Die Einführung in die Praxis wurde von zwei Punkten zugleich in Angriff genommen, am deutſchen Unterricht in Quarta und am griechiſchen in Untertertia, wobei den beiden Fachlehrern die nächſte Unterweiſung zufiel, während ich ſelbſt erſt dem einem, dann dem andern Gegenſtand meine Thätigkeit widmete. Im einzelnen geſtaltete ſich die Sache ſo:
1. Das Deutſche. Die Kandidaten wurden zuerſt mit dem Lehrziel, dem bisher behandelten Teil des Stoffes und mit den beſonderen Aufgaben der nächſten Stunden bekannt gemacht, der Fach⸗ lehrer überreichte einen kurz gefaßten Plan für den beabſichtigten Unterrichtsgang derſelben. In mehreren Muſterlektionen des Fachlehrers, denen ich mit den Kandidaten beiwohnte, wurde nun die Behandlung eines deutſchen Gedichtes, die Vorbereitung eines daran anzuſchließenden Aufſatzes, ſowie die Art der Beurteilung und Rückgabe deſſelben zur Anſchauung gebracht. Nach Abſchluß dieſer Unterrichtseinheit folgte in beſonderer Sitzung eine eingehende Beſprechung. Der Fachlehrer begründete ausführlich alle ſeine Maßnahmen, erteilte auf Anfragen der Kandidaten Auskunft, ich ſelbſt zeigte, in welcher Weiſe allgemeine Grundſätze ſowohl in der Führung der Schüler, wie in der unterrichtlichen Behandlung richtig beſolgt und klar zur Anſchauung gekommen waren. Daran ſchloß ſich in gleicher Weiſe die Be⸗ handlung eines Proſaſtückes, bei welchem beſonders gezeigt wurde, wie der Leſeſtoff für Gewinnung und Bearbeitung ſprachlicher Regeln zu verwerten iſt. Nun ließ ich die Kandidaten ſich ſelbſt verſuchen. Nach ſorgfältiger, mit dem Fachlehrer vereinbarter Vorbereitung hatte jeder derſelben in Gegenwart der anderen, des Fachlehrers und des Direktors ein Gedicht oder ein Proſaſtück mit der Klaſſe zu behandeln. Jedesmal ſchloß ſich in gemeinſamer Sitzung eine Kritik der Probekandidaten an, welche auf die Einzel⸗ heiten des Unterrichts und der Führung einging. Das bisherige Ergebniß für die Kandidaten war: Einblick in die wichtigſten Seiten der Methodik des deutſchen Unterrichts auf dieſer Stufe, Ueberwindung der erſten Scheu im Unterrichten, erſte Uebung der eigenen Kraft im bewußten Hinblick auf ein gutes Vorbild, Bekanntſchaft mit einer Anzahl wichtiger Regeln und Grundſätze des Unterrichts und der Zucht, Uebung im Beob⸗ achten und im Anſtellen methodiſcher Vorerwägungen für die Vorbereitung der Stunden. Wenigſtens war alles das angebahnt, Urteil und Uebung in eine beſtimmte Richtung ge⸗ lenkt. Ich überließ es dem Fachlehrer, die begonnenen Uebungen mit den Kandidaten ſo lange fort⸗ zuſetzen, bis jeder derſelben die ſelbſtändige Vorbereitung, Korrektur und Rückgabe eines Aufeatzes voll⸗ zogen haben würde, und wandte nun meine Aufmerkſamkeit dem Griechiſchen zu.
2. Das Griechiſche. Von Anfang waren die beiden Altphilologen angewieſen worden, den griechiſchen Stunden in III B beizuwohnen.(Der Neuphilologe war gleichzeitig im franzöſ. Unterricht dieſer Klaſſe beſchäftigt). Es war darauf gerechnet, daß die Fähigkeit im Beobachten durch die neben⸗ hergehende, oben geſchilderte Schulung auf anderem Gebiete, ſich bald entwickerln würde. Dazu kam, daß der Fachlehrer vor und nach den Stunden kurze Hinweiſe gab, denen er auf gemeinſamen Spazier⸗ gängen eingehendere Belehrungen über wichtigere Fragen der Methodik des griechiſchen Elementar⸗ unterrichts anzuſchließen pflegte. Ueberhaupt hat ſich zwiſchen Kandidaten und Fachlehrern auch außer⸗ halb der Schule ein anregender und fruchtbarer Verkehr entwickelt. Bald wurden auch die Kandidaten zu eigenen Unterrichtsverſuchen in Gegenwart des Fachlehrers veranlaßt. So konnte ich, als ich nun ſelbſt mich dieſem Teile der Aufgabe zuwendete, einen Kandidaten bereits mit der ſelbſtändigen Durch⸗ führung einer ganzen Lehreinheit(der griech. Optativ mit anſchließendem Extemporale, im ganzen 5 Stunden) in meiner und des Fachlehrers Gegenwart beauftragen. Nach jeder Stunde gab ich Rath⸗ ſchläge und Winke, deren Beachtung in den folgenden Stunden wahrzunehmen war, den Schluß bildete eine eingehende, gründliche Kritik des Ganzen in der oben bezeichneten Stufenfolge, welche zwei volle Sitzungen des Seminars(von je 1 ½ ſtündiger Dauer) in Anſpruch nahm. Ich ſelbſt legte eine genau ausgearbeitete, von methodiſchen Vorerwägungen eingeleitete Muſterpräparation vor, deren


