Aufsatz 
Das Gymnasialseminar zu Jena : ein Gutachten / von G. Richter
Entstehung
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des Goethe'ſchen Zeitalters mit den geiſtigen Grundrichtungen der Gegenwart zuſammen, wobei der Hin⸗ weis auf die bei großen Leiſtungen in den praktiſchen Lebensgebieten abnehmende Pflege des Innen⸗ lebens und der Perſönlichkeit als eine Gefahr des Zeitalters bezeichnet und ihr gegenüber die Notwen⸗ digkeit einer Verſchmelzung der Arbeitstüchtigkeit für die praktiſchen Alujgaben er Zeit mit einem kräftigen Idealismus betont und eine dem entſprechende Lebensrichtung den ſcheidenden Jünglingen ans Herz gelegt wurde. Die Feier fand mit dem Geſang der Mendelsſohnſchen MotetteWirf Dein Anliegen auf den Herrn ihren Abſchluß. Am Abend gaben die Abgehenden eine Abſchiedsfeier im Deutſchen Hauſe, an welcher außer den näheren Angehörigen derſelben und außer den Mitgliedern des Lehrkörpers auch die Schüler der Unterprima teil nahmen.

Das Schuljahr fand mit den öffentlichen Prüfungen aller Klaſſen(17. u. 18. März) und der am 20. März darauf folgenden Verkündigung der Zenſuren und Verſetzungen unter Gebet und Geſang ſeinen Abſchluß. Durch Diplom vom 23. März wurde dem Direktor das Ritterkreuz 1. Abteilung des Großh. Hausordens verliehen.

Am 8. März d. J. ſtarb im 87. Lebensjahre der Königl. Pr. Oberlehrer a. D. Dr. Mende, welcher dem Gymnaſium ſchon im J. 1877 ſeine Bibliothek übereignet hatte und zur Vermehrung der⸗ ſelben ein Vermächtnis von 3000 Mk. der Anſtalt hinterlaſſen hat. Wir werden ſein Gedächtnis in Ehren halten.(Val. Schulbericht 1877 S. 30 f., desgl. 1878 S. 32).

Noch iſt Kenntnis zu geben von der vom Großh. Staatsminiſterium zur praktiſchen Ausbildung der Kandidaten des höheren Lehramts beſchloſſenen Einrichtung eines Gymnaſialſeminars am hie⸗ ſigen Gymnaſium. Nachdem der Unterzeichnete vom Miniſterium mit Ausarbeitung eines Gutachtens und des Entwurfs einer Seminarordnung beauftragt war, ſo nahm derſelbe, um für ſeine Vorſchläge eine praktiſche Grundlage zu gewinnen, mit Beginn des Winterhalbjahrs ſogleich die probeweiſe Ein⸗ richtung eines ſolchen Seminars in Angriff. An den Uebungen deſſelben nahmen zunächſt die zum Probejahr zugelaſſenen Kandidaten Dr. Hemmann, Dr. Merian⸗Genaſt und Dr. Hilgenfeld teil. Ueber die Einrichtung der angeſtellten Uebungen Muſterlektionen, Probelektionen, kritiſche und theoretiſche Beſprechungen wird in der Beilage berichtet werden. Die vom Unterzeichneten gegen Ende des Jahres eingereichten, von einer Denkſchrift begleiteten Vorſchläge wurden vom Großh. Staatsminiſterium gut geheißen. Am 26. Februar fanden ſich die Vertreter der oberſten Schulbehörden des Großherzog⸗ tums und der Herzogl. S. Regierungen von Gotha und Meiningen zur Beſichtigung des Seminars ein. Dieſelben wohnten von 10 1 Uhr einer Probelektion des Kandidaten Dr. Merian(Griechiſch in III*) und einer Muſterlektion des Seminarfachlehrers Dr. Rauſch(Latein in III), ſo wie der ſich anſchließen⸗ den Sitzung des Seminars, an welchem die beiden Fachlehrer Prof. Vermehren und Dr. Rauſch teil⸗ nahmen, bei und traten am Nachmittag zu einer Beratung über den vom Großh. Staatsminiſterium vorgelegten Entwurf einer Seminarordnung zuſammen. Zu derſelben waren der Kurator der Univer⸗ ſität, Herr Staatsrat Dr. Eggeling, und der Unterzeichnete zugezogen. Am 4. März trafen im Auf⸗ trag des Kgl. Bayr. Staatsminiſteriums die Herren Rektor Autenriet aus Nürnberg und Prof. Gerſten⸗ ecker aus München in Jena ein, um von den Einrichtungen am Päd. Univerſitätsſeminar und am Gymnaſialſeminar Kenntnis zu nehmen. Dieſelben wohnten am 5. und 6. März den Muſterlektionen des Direktors und des Dr. Rauſch, mehreren Pecbeleltnien der Kandidaten und den an dieſelben ange⸗ ſchloſſenen Sitzungen des Seminars bei. Beſuche auswärtiger Schulmänner zur Kenntnisnahme der Lehreinrichtungen des Gymnaſiums haben wir im Laufe des Schuljahrs wiederholt empfangen.

B. Antexricht.

I. Klaſſenunterricht. Die behandelten Lehrſtoffe ſind aus dem im Schulbericht von 1889 (vgl. 1890 S. 5 f.) mitgeteilten Lehrplan zu erſehen, doch haben die Lehrziele in einigen Gegenſtänden wegen der Kürze des Schuljahrs Einſchränkungen erfahren. Der Geſchichtsunterricht in der Oberprima, welcher bisher mit dem J. 1871 ſeinen Abſchluß fand, iſt zum erſten Male bis zum Tode K. Wilhelm I. geführt worden. Ueber Veränderungen im Lehrplan der Naturgeſchichte ſ. u. S. 28. Der Zeichenunter⸗ richt der drei unteren Klaſſen wurde nach folgendem teilweiſe veränderten Plane erteilt: