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So dürfen wir hoffen, daß die Erlebniſſe jener Tage für das innere Leben unſerer Schüler nicht ohne Frucht geblieben ſind. Gleich hier ſei bemerkt, daß eine zweite, von Herrn Muſikdirektor Machts mit gewohnter Hingebung und Sorgfalt vorbereitete und von der zahlreichen Zuhörerſchaft ſehr beifällig aufgenommene Muſikaufführung der Gymnaſiaſten am 22. Februar zur Veranſtaltung gelangte. Der Ertrag von 43 Mk. 27 Pf. wurde der Unterſtützungskaſſe übergeben.
Im übrigen hat ſich das Schulleben in den gewohnten Geleiſen bewegt. Die üblichen Schul⸗ feſte wurden in der herkömmlichen Weiſe gefeiert. Am Geburtstag S. K. Hoheit des Groß⸗ herzogs gab Herr Prof. Schrader ein Lebens⸗ und Charakterbild der entſchlafenen Kaiſerin Auguſta. Die Rede iſt in erweiterter Form und mit urkundlichen Nachweiſen verſehen im Buchhandel erſchienen unter dem Titel:„Auguſta, Herzogin zu Sachſen, die erſte deutſche Kaiſerin. Züge und Bilder aus ihrem Leben und Charakter, nach mehrfach ungedruckten Quellen. Von Dr. O. Schrader, a. o. Profeſſor. Weimar, H. Böhlau, 1890.“ Das Sedanfeſt wurde am 1. Sept. durch eine von Herrn Dr. Rauſch gehaltene Feſtandacht eingeleitet, am 2ten nahmen Lehrer und Schüler an dem öffentlichen Umzug der Schulen und Vereine ſowie an dem ſich anſchließenden Gottesdienſt in der Stadtkirche teil. Zu dem am Abend in der Paradieshalle ſtattfindenden vaterländiſchen Feſt der Einwohnerſchaft Jenas war den Schülern der 4 oberſten Klaſſen der Zutritt geſtattet. Der Geburtstag S. M. des deutſchen Kaiſers wurde durch ein Schauturnen am Nachmittag des 26. Januar in der Turnhalle und durch eine Schulfeier am Vormittag des 27ten begangen. Die Feſtrede hielt Herr Dr. Koetſchau über die Entwickelung des Preußiſchen Heerweſens. Am Abend des 26. Januar war den Schülern der drei oberen Klaſſen auf ihre Bitte ein Tanzvergnügen im Deutſchen Hauſe geſtattet worden, welches auch von den Familien der Lehrer beſucht wurde und einen wohlthuenden Verlauf nahm. Der übliche Frühlingsausflug ſämtlicher Klaſſen des Gymnaſiums kam am 17. Mai zur Ausführung. Wie alljährlich wurde durch die Güte der Großh. Generalintendanz in Weimar den Schülern der oberſten Klaſſen mit ihren Lehrern die Freude zu teil, die Aufführung eines klaſſiſchen Schauſpiels am Großh. Hoftheater in Verbindung mit dem Beſuch der klaſſiſchen Stätten und Sammlungen zu Weimar ge⸗ nießen zu dürfen. Dieſe Fahrt fand am 14. Juni ſtatt, zur Aufführung kam„Don Carlos.“ Wir ſprechen der Großh. Generalintendanz ehrerbietigen Dank aus. Zu einem außerordentlichen Schulfeſt von vaterländiſcher Bedeutung gab am 25. Oktober der 90. Geburtstag des Feldmarſchalls Grafen Moltke Anlaß. Die Feſtrede, von dem Unterzeichneten gehalten, ſuchte den innigen Zu⸗ ſammenhang der weltgeſchichtlichen Leiſtungen des Feldherrn mit ſeinen Eigenſchaften als Menſch und als wiſſenſchaftlicher Denker zur Anſchauung zu bringen.
Das religiöſe Gemeindeleben der Schule fand in den zu Beginn und am Schluß jeder Schulwoche von den Lehrern unter freier Benutzung von Palmie'’s Schulagende geleiteten regelmäßigen Andachten, wie in der am 7. November von den Lehrerfamilien und den eingeſegneten Schülern in der Stadtkirche gemeinſam begangenen Abendmahlsfeier ſeinen Ausdruck. Zur Feier des Weihnachts⸗ feſtes wurde, wie alljährlich, aus den Mitteln der Nothnagelſtiftung und dem Zinsertrag eines von Herrn Bürgerſchulrektor Zachau zur Erinnerung an ſeinen im vorigen Jahre verſtorbenen Sohn(ſ. vorj. Schulbericht S. 3) dem Gymnaſium geſtifteten Kapitals von 300 Mk., ſowie aus ſonſtigen Spen⸗ den eine Anzahl würdiger und bedürftiger Schüler beſchenkt.
Zu einer Reifeprüfung am Herbſttermin waren 3 Oberprimaner und 2 Auswärtige zuge⸗ laſſen. Die ſchriftlichen Arbeiten wurden am 15. bis 20. Septbr. bearbeitet, die mündliche Pprifung fand unter Vorſitz des Herrn Oberſchulrat Dr. Leidenfroſt am 29. September ſtatt. Sämtliche Prüf⸗ linge erhielten das Zeugnis der Reife. Der regelmäßigen Oſter⸗Reifeprüfung— 13. bis 18. Febr. die ſchriftliche, 2 März die mündliche— unterzogen ſich die 11 Schüler der Oberprima. Alle beſtanden mit gutem Erfolg. Fünf wurden auf Grund des Ausfalls der ſchriftlichen Prüfung und der Klaſſen⸗ leiſtungen von der mündlichen Prüfung entbunden. Die Entlaſſung erfolgte am 16. März in öffent⸗ licher Schulfeier und wurde durch den Vortrag eines Händelſchen Larghetto für Violinen, Pianoforte und Harmonium eingeleitet. Die Abſchiedsreden hielten die Abiturienten Schultze und Eggeling. Der erſte ſprach in lateiniſcher Rede über den Einfluß der horaziſchen Lyrik auf die Jugendbildung, der zweite in deutſcher Rede über den Einfluß von Goethes Italieniſcher Reiſe auf Leben und Schaffen des Dichters. Die herzlichen Dankes⸗ und Abſchiedsworte an Lehrer und Mitſchüler, mit denen beide ihre Reden beſchloſſen, wurden ſeitens der Schüler von dem Unterprimaner von Stockhauſen beantwortet. Dann ſang der Chor das Lied„Herzensreinheit“ von Mozart. Die hierauf folgende Abſchiedsrede des Direktors knüpfte an den Inhalt der Rede des Abiturienten Eggeling an und ſtellte die Weltanſchauung


