X. Schulereigniſſe.
Das abgelaufene Schuljahr wurde am 24. April 1890 eröffnet und am 21. März 1891 ge⸗ ſchloſſen. Die von uns in den letzten Jahren eingehaltene Ferienordnung erfuhr inſofern eine Abänderung, als auf Anordnung des Großh. Staatsminiſteriums und im Einklang mit den Wünſchen der Mehrzahl der beteiligten Familien an Stelle der ſechswöchentlichen Hauptferien wieder getrennte Sommer⸗ und Herbſtferien traten. Die erſteren dauerten vom 27. Juli bis 27. Auguſt, die letzteren vom 9.— 19. Oktober. Durch Feſthaltung des Auguſts für die Sommerferien war zugleich dem Be⸗ dürfnis der beteiligten akademiſchen Familien billige Berückſichtigung zu teil geworden. Die dauernde Beibehaltung dieſer Einrichtung iſt in Ausſicht genommen. Sehr dankenswert ſind einige vom Großh. Staatsminiſterium für die Zukunft zur weiteren Regelung der Ferienfrage für die höheren Lehranſtalten des Großherzogtums erlaſſene Beſtimmungen. Durch Verfügung vom 6. Jan. d. J. wurde angeordnet, daß die Aufnahmeprüfung zu Oſtern nicht, wie bisher, am letzten Tage der Oſterferien, ſondern am Montage nach denſelben vorzunehmen ſei; ferner, daß in Jahren, in denen Oſtern auf den 8. April oder ſpäter fällt, in der zweiten Hälfte des Februar 2 Schultage im Anſchluß an einen Sonntag frei zu geben ſeien. Weiter wurde durch Verfügung v. 19. Februar d. J. die Dauer der Pfingſtferien für
jie Zukunft von 5 auf 8 Tage ausgedehnt(Sonnabend vor bis Sonnabend nach dem Feſte).
Von empfindlichen Störungen des Unterrichts iſt die Anſtalt auch in dem abgelaufenen Schul⸗ jahre nicht verſchont geblieben. Gleich nach Beginn deſſelben erkrankte Herr Prof. Raſch an einem gaſtriſch nervöſen Leiden und konnte erſt am 2. Juni den Unterricht wieder aufnehmen. Herr Dr. Koetſchau wurde vom 23. Juli bis 23. September zu einer militäriſchen Uebung eingezogen. Herr Dr. Hercher fehlte wegen ſtarken Unwohlſeins vom 18.—23. September. Herr Dr. Rauſch wurde am 14. und 15. November und vom 15.—20. Dezember durch ein Fußleiden dem Unterricht entzogen. Hert Walterhöfer wurde auf Anordnung des Großh. Staatsminiſteriums vom 15.—17. September zum
tudium der an der freien Zeichenſchule in Eiſenach angewendeten Methoden beurlaubt(vgl. den vorj. Schulbericht S. 5). Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im Ganzen zufriedenſtellend, nur daß im Januar und Februar d. J. eine nicht unerhebliche Zahl von Schülern aller Klaſſen an den Maſern erkrankte. Durch Tod wurde uns entriſſen Erwin Müller aus Jena, welcher bei Beginn des Schuljahres noch zu den Schülern der Oberſekunda zählte. Wegen eines ſchweren Lungenleidens ſchon ſeit längerer Zeit beurlaubt, dann abgemeldet, erlag er am 8. Januar d. J. derſelben verheerenden Krankheit, welche ihm früher beide Eltern entriſſen hatte. Er ſtarb ſanft und gottergeben. Wir gaben ihm am 11. Januar das letzte Geleit und werden ſein Bild in liebendem Herzen bewahren.
Die Schreckenstage, welche die am 24. Novbr. mit jäher Schnelle wild hereinbrechenden Hoch⸗ huce über unſer Saalthal heraufführten, haben auch das Leben der Schule nicht unbeeinflußt gelaſſen.
anche Schüler, welche in den Vororten und den tiefer gelegenen Stadtteilen wohnten, hatten in nächtlicher Stunde aus den von der Flut bedrohten Häuſern flüchten und bei befreundeten Familien Obdach ſuchen müſſen, andere blieben mehrere Tage durch die Hochwöſſer von der Verbindung mit der Außenwelt abgeſperrt und waren zum Teil Zeuge der in ihrer Nähe ſich vollziehenden Schreckensſcenen, aber auch des heldenmäßigen Opfermutes von Soldaten und Bürgern aller Stände, die ohne Rückſicht auf die eigene Lebensgefahr am Rettungswerke ſich beteiligten. Die allgemein in unſerer Stadt auf das wohlthuendſte ſich bethätigende Nächſtenliebe zeigte ſich auch in den Kreiſen unſerer Schüler durch reichlich geſpendete Gaben aller Art. Eine zum Beſten der Ueberſchwemmten am 30. Nov. veranſtaltete muſikaliſche Aufführung ergab einen Ertrag von 66 Mk., welcher dem Hülfsausſchuß überwieſen wurde.
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