Aufsatz 
Schillers Dramen im Lichte der zeitgenössischen Kritik
Entstehung
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aber auch zahlreiche seichte Schwätzer befanden, um sich zu schaaren, ¹) sich aber gleichwol die Freiheit zu wahren gewusst, die Richtung der Zeitung stets nach seinem Sinne zu bestimmen. Da Nicolai sich aber den in den achtziger Jahren zum Durch- bruche gelangenden literarischen Bestrebungen gegenüber conserv- ativ, mithin feindselig verhielt, so verfiel er von diesem Zeit- raume an mehr und mehr mit Kritikern und Dichtern; gleich- wol behauptete dieAllgemeine deutsche Bibliothek noch bis 1792 einen tief gehenden Einfluss; mit dem genannten Jahre jedoch, in welchem der Verlag, Wöllmer's Verfolgungen der preussi- schen Presse zufolge, an den Buchhändler Bohn in Hamburg überging, verlor die fortan unter dem TitelNeue Allgemeine deutsche Bibliothek²) erscheinende Zeitschrift an Werth wie an Achtung; und obwol sie 1801 in Nicolais Verlag zurück- kam, sank ihre Bedeutung doch von Jahr zu Jahr, bis die Biblio- thek sammt ihrem Herausgeber zum verdienten Gespötte des nach- wachsenden Geschlechtes wurde und endlich 1806 selig entschlief. ImMusenalmanach für 1797 widmete Schiller der Neuen Allgemeinen deutschen Bibliothek das Xenion 254:

Zehnmal gelesne Gedanken auf zehnmal bedrucktem Papiere, Auf zerriebenem Blei stumpfer, bleierner Witz.

Und von dem damaligen Redacteur Hermann hiess es im Xenion 73: der Bär zu K.(Kiel) strecke die bleiernen Tatzen gegen die Schriftsteller aus, doch er fange ihnen nur die Fliegen

¹) Das von Parthey herausgegebeneMitarbeiterverzeichnis(Berlin 1842) zühlt von 17651806 433 Mitarbeiter auf, unter denselben fast alle hervorragenden Namen der älteren Literatur. Die Kritik der schönen Lite- ratur und der schönen Wissenschaften vertraten von 1779 ab: Beneke, Ober- Appellationsgerichts-Protonotarius in Celle(bis 1806); Biester, Bibliothekar in Berlin(bis 1792); Bischof, Prof., in Helmstädt(bis 1806); Broemel, Secret. in Berlin(bis 1787); Buschmann, Secr. in Stralsund(bis 1787); Eschenburg, Prof. in Braunschweig(bis 1806); Fleischmann, Diakonus in Tübingen(bis 1806); Kr. R. v. Göckingk in Werningerode(bis 1797); Grabenhorst, Prediger in Wolfenbüttel(bis 1806); Gruner, Regierungs- rath in Coburg(1802 1806); Heinze, Prof. in Kiel(bis 1806); Frh. v. Knigge in Bremen(bis 1797); Manso, Director des Magdalenen-Gymnasiums in Breslau(bis 1806); Marcard, Procurator in Stade(1797 1806); Marcard, Hofmedicus in Oldenburg(bis 1792); Meissner in Prag(179397); Merck, Kriegsrath in Darmstadt(bis 1787); Reinhold, Prof. in Jena(bis 1797); Reinwald, Bibliothekar in Meiningen(bis 1806); v. Rühling, Hof- u. Kammer- rath in Hannover(bis 1792); Sangerhausen, Rector in Aschersleben(bis 1806); Schatz in Gotha(bis 1797); Schott, Prof. in Tübingen(bis 1806) und Thomas, Secret. in Stralsund(bis 1797).

²) Kiel und Hamburg, 1793 1800.