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Nur nicht der Phaidros, denn die dortige Behandlung der verschiedenen Seelenthätigkeiten wird wol jedem ganz jugendlich erscheinen gegen diese hier. Allein
Platon redet hier nicht von diesem reineren und ge- naueren Verfahren als einem das ihm fremd sei; viel- mehr deuten seine Ausdrücke darauf, dafs er über- zeugt gewesen, es wohl inne zu haben. Es würe aber höchst sonderbar glauben zu wollen, daſs Platon als er die Bücher vom Staate schrieb nicht schon seine ganze Wissenschaft sollte in seinen mündlichen Vor- trägen entwikkelt haben. Seine eigentlichen Schüler also verstanden ihn auch hier ganz, und wufsten wo die vollkommnere Methode einheimisch sei; die bloſsen Leser aber wollte er doch stacheln, und sie darauf hinweisen, dafs solche Inductionen zwar einmal auf- gestellt eine lebhafte Ueberzeugung hervorrufen, dass sie aber den Gegenstand nicht wissenschaftlich erle- digen können, weil das so Behauptete nicht im all- gemeinen Zusammenhang aller Erkenntnifs entwikkelt und der Gedanke also auch nicht in seiner wissen- schaftlichen Entstehung verstanden wird.— Der all- gemeine Zusammenhang ist aber immer wieder der des Seins in seiner Ganzheit, oder der Natur, und die Andeutung ist also unverkennbar, dafs nur auf diesem Wege streng eingesehen werden könne, dals und warum der menschlichen Seele jene drei Thätig- keiten zukommen.“ Platon's Werke von F. Schleier- macher dritten Theiles erster Band pag. 555. Re-


