Aufsatz 
Das Wesen der Wärme : Versuch einer neuen Stoffanschauung der Wärme mit vergleichender Betrachtung der übrigen jetzt gebräuchlichen Wärmetheorien in allgemeinfaßlicher Darstellung / von Paul Reis
Entstehung
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Atome haben aber verſchiedene Gewichte, daher müſſen ſich die Gewichte gleicher Gasräume wie die Atomgewichte verhalten.

§. 16. Iſt nun aller Aether zwiſchen den Körperatomen als Wärme anzuſehen? Um dieſe Frage zu beantworten, müſſen wir den Einfluß der Anziehung auf die Aetheratome in Betracht ziehen.

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Auf das Aetheratom 1 wirkt mit ſehr ſtarker Anziehung das Körperatom a, mit ſehr ſchwacher das Atom b; dasſelbe wird demnach mit großer Kraft bei a feſtgehalten, ebenſo 2, 3 u. ſ. w.; auf das Aetheratom 6 wirkt dagegen a ebenſo ſtark, wie b; dieſe beiden entgegengeſetzten Anziehungen heben ſich einander auf, ſo daß 6 durch Nichts an ſeiner Stelle feſtgehalten iſt; die um 6 liegenden Aetheratome erleiden eine um ſo geringere Reſtanziehung, je näher ſie der Mitte 6 ſtehen oder kommen; um ſo mehr wird dieſe Reſtanziehung auch von ihrer eigenen Abſtoßung überwunden werden. Die Abſtoßung dieſes mitt⸗ leren Aethers kann deßhalb gerade ſo wirken, als ob nur Aether vorhanden wäre und keine anziehenden Atome; dieſer Aether iſt vollkommen frei. Befindet ſich außerhalb des betreffenden Körpers kein freier Aether oder ſolcher von geringerer Dichte, ſo müſſen die freien Aetheratome dorthin ſtrömen, ſo lange bis die äußere Abſtoßung der inneren gleich iſt; iſt umgekehrt außerhalb der freie Aether in größerer Menge zwiſchen den Körperatomen vorhanden, iſt er dichter, als der freie Aether in unſerm eben be⸗ trachteten Körper, ſo muß bis zur Herſtellung der Gleichheit Aether in den letzteren treten. Der bei den Atomen durch eine ſeine Abſtoßung überwiegende Reſtanziehung feſtgehaltene Aether kann nicht nach außen wirken; wir wollen ihn deßhalb gebundenen Aether nennen. In der Nähe der Körperatome iſt derſelbe von großer Dichte, während die freien Aetheratome, die ſich nur in den mittleren Stellen befinden, weit auseinander ſtehen; in feſten und flüſſigen Körpern, deren Atome nur einen ſehr geringen Abſtand haben, muß daher die Menge des gebundenen Aethers groß ſein im Verhältniß zu der des freien; in den Luftarten dagegen, deren Körperatome weit von einander ſtehen, muß die Menge des ge⸗ bundenen Aethers gegen die des freien ſehr gering ſein. Unſere oben aufgeſtellte Hypotheſe: Wärme iſt Aether, kann jetzt erweitert und beſtimmt gegeben werden: Wärme iſt freier Aether. Wird der⸗ ſelbe dichter, ſo wird ſeine, alſo auch jede Wärme⸗Wirkung erhöht; alſo iſt die Temperatur die Dichte des freien Aethers. Darnach können wir zur Erklärung der Wärme⸗Erſcheinungen im Sinne unſerer Aetherlehre ſchreiten..

4. Die Entſtehung der Wärme oder die Wärmeqguellen.

§. 17. Die Verhrennung oder allgemeiner gefaßt die chemiſche Verbindung. Eine chemiſche Verbindung iſt ein Zuſammentreten mehrerer Atome verſchiedener Körper in eine Aetherhülle. Waren die Atome vorher einzeln vorhanden, ſo hatte jedes ſeine Aetherhülle; nach der Verbindung haben mehrere Atome nur eine Aetherhülle, es ſind alſo Aetherhüllen frei geworden, zwar nicht ganz, da die eng neben einander gelagerten Körperatome eine ſtärkere Anziehung auf den Aether ausüben, als ein einzelnes Atom für ſich, aber doch großentheils. Die Atome dieſes frei gewordenen Aethers ſtoßen ſich mit ungeſchwächter Kraft ab und treiben ſich daher einander ſelbſt aus der in Einwirkung begriffenen Stoffmaſſe hinaus, ſo daß innen wie außen der freie Aether dichter, die Temperatur erhͤht wird. Ge⸗ ſchieht die chemiſche Verbindung raſch, ſo wird viel Aether nach außen getrieben; dort aber iſt ebenfalls freier Aether, der ſich zwar allmälig vermehrt, aber ſowohl vor⸗ wie nachher abſtoßend auf die eintreffenden Aetheratome wirkt, wodurch dieſelben zurückgeſchleudert, von den nach ihnen austretenden aber ſofort wieder vorangeworfen werden. Es müſſen alſo die Aetheratome in Schwingungen gerathen;